Nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit gibt es beim Offenburger Neujahrsempfang Jahr für Jahr das gleiche Schauspiel: Verleger Hubert Burda zeichnet in feierlicher Atmosphäre seine liebsten Gefolgsleute aus. Natürlich nicht als profane „Mitarbeiter des Monats“, sondern selbstverständlich hochtrabend als „Officier“ oder noch besser als höchste Auszeichnung: den „Chevalier“. In diesem Jahr durfte etwa „Playboy“-Chefredakteur Florian Boitin die Huldigung als Officier entgegennehmen und somit in den engeren Zirkel des Verlegerreichs vorrücken. Das alles ist nicht geheim. Es steht an einer großen Tafel, wie hier auf dem Foto zu sehen, gleich am Eingang der Münchner Burda-Cafeteria.

Die höhere Ehre, den „Chevalier de Burda“, haben bislang nur sehr wenige bekommen, vorrangig die altvorderen Verlagshelden, sprich Klaus-Peter Lorenz, Uli Baur, Helmut Markwort, Jochen Wolff oder Reinhold G. Hubert. Und, wer natürlich nicht fehlen darf, Burdas Haus- und Hofanwalt Robert Schweizer. In der zweiten Reihe, also im Officiers-Casino wird es da schon bunter – und interessanter.  So ist Verlagschef Philipp Welte bislang lediglich Officier, sein Vorstandskollege Paul-Bernhard Kallen dagegen schon seit Jahren Chevalier. Warum wird die Krönung noch aufgeschoben? Erwartet der Verleger (noch) mehr von Welte?

Auch mancher dem Verlagsherren bereits Entflohene ist unter den Officiers, wie etwa der frühere „Focus“-Anzeigenchef Frank-Michael Müller. Und auch Graf Schal, Marcel Reichart, um den es etwas still geworden ist, seit er zu den Bertelsmännern wechselte. Bei den beiden genannten Herren dürfte die Chevaliers-Ehrung noch auf sich warten lassen, wenn sie denn überhaupt noch kommt.

Übrigens: Der Vorgänger von Offizier Boitin, Ex-„Playboy“-Chefredakteur Stefan Schmortte, bekam den begehrten Verdienstorden nie. Wer also nach ein paar Jahren in wichtiger Position bei Burda noch keine Ehrung bekommen hat, für den könnte es im Verlag eng werden.

(dh) Foto: Daniel Häuser