Wenn mit Michael Steinbrecher zugleich ein Anchorman abtritt, der den ZDF-Dino mit seinem eher intellektuellen Moderationsstil mehr als zwei Jahrzehnte lang geprägt hat, darf man durchaus vermuten, dass die anberaumte Pressekonferenz in Hamburg vor allem zur Verneigung vor dem 47-Jährigen wird. Nichts da, die Regie kannte kein Erbarmen. Steinbrecher, der selbst bekannte, das „sportstudio“ sei „größer als seine Moderatoren – bis auf Dieter Kürten, vielleicht“, musste sich der gut einstündigen Nabelschau unterordnen. Ihm selbst mag das ganz Recht gewesen sein, gilt Steinbrecher doch als bescheiden und zurückhaltend. Doch er hätte an diesem Vormittag mehr verdient gehabt als Raum nur für ein paar Statements („man soll gehen, wenn es am Schönsten ist“). Stattdessen ergriff während der von Katrin Müller-Hohenstein moderierten Selbstbespiegelung Steinbrechers Mentor Kürten wiederholt beherzt das Wort, schwelgte in Erinnerungen, gab bekannte Anekdötchen zum Besten. Stolze 375-mal hatte Kürten die Sendung in seiner typisch launigen Art moderiert, zuletzt am 30. September 2000.

Und er hatte es sich selbst vorbehalten, Steinbrecher in einer dieser Sendungen als Newcomer beim Publikum einzuführen. Zur Jubiläumsshow am 10. August dieses Jahres darf Kürten noch einmal auflaufen. Steinbrecher hat seinen letzten Auftritt 14 Tage später, dann ist Schluss. Zu seiner Zukunft schwieg er auch in Hamburg. Und ein Nachfolger ist laut ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz bislang nicht gefunden. Nach heutigem Stand wird dann das Duo Müller-Hohenstein/Sven Voss im Wechsel moderieren. Das wiederum rief Kürten auf den Plan, der sich ziemlich unverblümt in ein Moderatoren-Comeback zurückzuquatschen versuchte. Er habe gedacht, dass ihn die Verantwortlichen anrufen würden, um die Lücke zu schließen, die Steinbrecher hinterlasse, bemerkte Kürten mit süffisantem Lächeln. Der Redaktionsleiter des „aktuellen sportstudios“, Oliver Schmidt, schien von Kürtens Chuzpe so überrascht, dass er diese Option spontan mit ins Kalkül zog. Kürten ebnet den Weg für Steinbrecher, Steinbrecher übernimmt, Steinbrecher geht, Kürten übernimmt wieder. Das liefe wohl ganz nach dem Geschmack des 78-Jährigen. Dann jedoch wäre das Format – schon heute eine Zwangsjacke für jeden Moderator – vollends konzeptionell erstarrt. (bp)

Foto: Bijan Peymani