Zu plump auf Quote aus, programmierte Langeweile, wegzappende Zuschauer: RTL gibt derzeit ein kein so gutes Bild ab in der deutschen TV-Landschaft. Und so blieb Geschäftsführer Frank Hoffmann im feinen Hamburger Atlantic-Hotel nur die Flucht nach vorne. Anlässlich der Programmpräsentation für die Saison 2013/2014 räumte er offen Fehler ein („manches ist schief gegangen“), kündigte neue Formate an („können für sich in Anspruch nehmen, einmal zu Wahrzeichen von RTL zu werden“) und warb wiederholt um Geduld („das braucht Zeit“). Wortstanzen, die man in solchen Momenten schon zu oft gehört hat – und dennoch neue Töne vom Marktführer, dem Demut in der Vergangenheit fremd war. So recht wollte das Feuerwerk allerdings nicht zünden, außer bei so manchem hart gesottenen Sender-Fan. Das mag an der kompromisslos durchstrukturierten, hoch sterilen Veranstaltung gelegen haben, die – RTL-typisch – stets eine Spur zu perfekt angelegt ist. Es mag auch Hoffmanns spröder, bis in die Haarspitzen selbstbeherrschter Art geschuldet gewesen sein, die sein Gegenüber immer auf gebührender Distanz hält.

Vor allem aber konnte die Kölner Sendergruppe in Hamburg nicht überzeugen, weil sie statt auf Überraschungen und echte Innovationen auch in der neuen Fernseh-Saison vor allem auf sozialpornografischen Trash setzt. Und dazu mit den Bohlens, Gottschalks und Jauchs nur die alten Zirkuspferde präsentierte, die es richten sollen. Dass der gelernte Journalist Hoffmann sein Programmschema journalistischer ausrichten will, ehrt ihn. Allein, es fehlt der Glaube, dass das über Jahre von RTL enthirnte Publikum da mitzieht. Weil aber Geld Tore schießt, bleibt den Kölnern immerhin die Gewissheit, dass sie mit ihrem ebenfalls in Hamburg vermeldeten, millionenschweren Fußball-Deal bald wieder an die Quotenspitze sprinten werden. Das jedoch wird erst Thema der Programmpräsentation 2014/2015 sein. (bp)

Foto: Medientage München, Montage: Clap