Mit ungewöhnlich harten Worten kündigen die Veranstalter der Medientage München das 2013er-Event an. „Genug von langweiligen Diskussionen, die von einer zu großen Zahl gleichgesinnter Experten geführt werden, die in einer Reihe nebeneinander sitzend sich gegenseitig loben? Wir auch!“ – ist in aktuellen Aussendungen zu lesen. Seit gestern steht das neue Programm. Wir haben unter die Lupe genommen, ob der verheißungsvollen Ankündigung auch Taten folgen könnten.

Zunächst fällt auf: Die Elefantenrunde wurde etwas verkleinert. Nachdem in den letzten beiden Jahren die Moderationsrundenleiter nicht aus dem Schatten von Helmut Markwort treten konnten, darf sich nun die „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl versuchen. In der großen Runde nicht dabei ist der Burda Verlag. Das darf als Überraschung gelten – letztes Jahr war Vorstand Paul-Bernhard Kallen vor Ort, in den Jahren davor sorgte etwa Hubert Burda selbst für launige Stimmung. Die Fahne der Verleger hält in diesem Jahr Dirk Ippen hoch.

Auf dem sicherlich mit Spannung zu erwartenden Online-Gipfel tummeln sich bekannte Internet-Strategen wie Wolfgang Blau (Guardian News und Media) und Arnd Benninghoff (ProSieben Sat.1). Ganz neu dabei ist der Microsoft-Manager Oliver Kaltner. Meistens warten Chefs von amerikanischen Companys immer auf irgendein Announcement, bevor sie etwas Spannendes sagen. Es bedarf also etwas Geschick, einen Mann wie Kaltner aus der Reserve zu locken.

Mehr Zoff verspricht der Content-Gipfel: Sowohl Gerlinde Hinterleitner vom österreichischen „Standard“ als auch Medienprofessor Michael Haller dürften die Diskussionsrunde mutmaßlich durcheinanderwirbeln. Da wird Sat.1-Fernsehmoderatorin Astrid Frohloff mit der streitfreudigen Runde mächtig zu kämpfen haben. Denn „Stern“-Mann Hans-Ulrich Jörges und auch Jakob Augstein sind für sinnfällige Bonmots als auch für unabhängige Einwände mehr als gut.

Der Publishing-Gipfel fällt dagegen etwas ab. Sein Titel „Alles digital – Journalismus um jeden Preis“ klingt zwar verheißungsvoll. Auf dem Podium fehlen aber die ganz großen Namen. Die Bauer Verlagsgruppe bleibt wie immer sprachlos. Gruner + Jahr schickt ebenfalls keinen Advocatus diaboli nach München und erneut fehlt der Burda Verlag. Leider scheint es einen direkten Zusammenhang zwischen Konjunktur und Teilnahmebereitschaft an Kongressen bei Verlagen zu geben. Ob sich Condé-Nast-Chef Moritz von Laffert einen erbarmungslosen Schlagabtausch mit „Welt“-Gruppenchef Jan-Eric Peters beim Publishing-Gipfel liefert, bleibt abzuwarten.

Disclaimer: Das Medienmagazin Clap sorgte mit seiner Kreativeinheit Clap Concepts auch in diesem Jahr für eine visuelle Veränderung der Medientage München. Neu gestaltet wurde unter anderem das Cover des bald erscheinenden Programmhefts.

(dh) Illu: Clap