Spektakuläre Transfers sind bei der schreibenden Zunft selten geworden. Aber spätestens seitdem sich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit Mathias Müller von Blumencron quasi den Gareth Bale des Online-Journalismus gesichert hat, ist das Rennen um die besten Blattmacher, Reporter und Schreiber wieder offener geworden. Auf der Käuferseite taucht überraschenderweise auch das „Handelsbatt“ in Person von Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs auf. Der erfahrene Medienkenner hat sich ja bekanntlich zuletzt bereits mit Thomas Thuma vom „Spiegel“ und Kai-Hinrich Renner vom „Hamburger Abendblatt“ weitere Kompetenzen in der Medienberichterstattung geholt.

Und an der Teamaufstellung wird weiter gefeilt, weitere Transfers und personelle Umstrukturierungen werden sicher noch kommen. Als Verehrer klassischer Werte im Journalismus investiert Jakobs nicht etwa in Webdesigner, sondern lieber direkt ins journalistische Produkt. Scheinbar ergibt sich für ihn beim „Handelsblatt“ ein größerer personeller Spielraum als bei seiner Tätigkeit im Süddeutschen Verlag. Wohin es aber mit so viel Medienkompetenz auf einem Haufen gehen soll – im Hintergrund schreibt Jakobs ja auch noch für die angekaufte „Meedia“-Redaktion – ergibt sich allerdings für den Beobachter noch nicht. Es scheint fast so, als wolle sich das „Handelsblatt“ gezielt gegen die „Süddeutsche Zeitung“ aufstellen, die bei der Medienberichterstattung in den vergangenen Jahren keinen besonderen Schwerpunkt mehr hatte.

(dh) Foto: Alexander von Spreti