Eine kleine überarbeitete Reuters-Meldung war es „Spiegel Online“ in dieser Woche gerade mal wert, über Bernankes irrwitzige Geldpolitik zu berichten. Irgendwie ist die Luft ein bisschen raus, der letzte große Scoop vom Hamburger Nachrichtenmagazin gefühlt ewig lange her. Am Arbeitsumfeld kann es nicht liegen, hocken doch die Edel-Redakteure im schicksten Redakteurs-Bunker, den es überhaupt gibt. Oder vielleicht doch? Von Nahem betrachtet schaut die teure Immobilie nämlich auch nicht viel anders aus als eine Bank in Frankfurt oder eine Versicherung in Düsseldorf. Traditionell ist sowas ja eigentlich nicht so das natürliche Umfeld für Redakteure.

Also vielleicht färbt so eine Atmosphäre auch mal auf die Arbeitsweise ab. Zum Journalistenberuf gehört eben eigentlich nicht so eine Beamtenmentalität, wo Themen wie beliebige Sachvorgänge behandelt werden. Das ist eher Haltung als eine tolle Fassade gefragt. Und warum wurde früher gleich nochmal die Lebenserwartung der Journalistenschar nicht so hoch eingeschätzt? Das lag wohl auch an der hedonistischen Einstellung, es wurde viel gequalmt und gesoffen. Und in so einem Glaspalast ist das irgendwie schwer vorstellbar, eher das  Akten von Sachbearbeitern gewälzt werden. Naja, und „Brandstwiete“ klingt wohl schon mal grundsätzlich brisanter als „Ericusspitze“.

Es betrifft nicht nur den Spiegel-Verlag. In eben so einem Glashaus sitzen die Redakteure seit einigen Jahren auch bei Axel Springer in Berlin (in dem trotz Raucherecken in den Redakteursstuben gerne geraucht wird) und auch bei der „Süddeutschen Zeitung“. Die Entwickung ist wohl kaum aufzuhalten: Selbst die „taz“ will ja aus ihrem schönen Altbau in Berlin ausziehen. Unschöne neue Journalistenwelt.

(dh) Foto: Alexander von Spreti