Kaum ein ehemaliger Chefredakteur hat in der deutschen Verlagshistorie so einen Aufstieg hingelegt wie Gruner+Jahr-Vorstand Stephan Schäfer. Vom weniger beachteten Editor in Chief bei Bauers Frauentitel „Maxi“ und späteren Corporate-Publishing-Spezialisten bei der Agentur ringdrei, hin zum Multichefredakteur bei Gruner+Jahr und jetzigen Superboss beim mutmaßlichen Inhaltehaus am Baumwall. Doch sein Erfolg hat Risse bekommen: Zum nicht mehr ganz so unangekratzten Image beigetragen hat wohl seine von Verlagschefin Julia Jäkel zugeordnete Rolle als Überbringer schlechter Nachrichten.

So wurde er vorgeschickt, so berichten es Verlagsangestellte, als etwa die Münchner Verlagsdependance von Gruner+Jahr geschlossen werden sollte. Mangels persönlichen Involvement mit den Münchner „Spezialredaktionen“ sei er dabei wohl Angestellten mit einer etwas derben Art auf die Füße getreten. Und auch einige Verkündungen der vielen Personalien der vergangenen Monate bei „Gala“, „Brigitte“ oder „Stern“ seien wohl eher etwas unglücklich verlaufen. Ehemalige Getreue seien deshalb persönlich von Schäfers Haltung enttäuscht. So wird ihm angekreidet, ehemalige hilfreiche Weggefährten im Augenblick des beruflichen Erfolgs mit Ignoranz zu verprellen.“Undankbarkeit“ sei wohl einer der Begriffe, der des öfteren am Baumwall fiel. Findet er den Weg zurück vom Medienhulk zum Zeitschriftendarling? Es liegt nun wohl an ihm selbst, ein Stück verloren gegangene Sympathie während des weiteren Umbaus des Verlagsriesen zurückzugewinnen.

(dh) Foto: Gruner+Jahr