Kaum ein Event der Verlagsbranche hat in den vergangenen Jahren so einen Aufstieg hingelegt wie „GQ Men of the year“. In München vor über zehn Jahren unter Bernd Runge wenig beachtet gestartet, kommt an dem jetzigen Berliner Promiauflauf kaum noch eine Gazette vorbei. Tennis-As Roger Federer war genauso dabei wie Dennis-Hopper-Freund Peter Fonda, von beiden letzteren hängen sogar Bilder in der Clap-Redaktion. Nun scheint aber der Erfolgsdruck dem Edel-Verlag etwas zugesetzt zu haben. So kam es am Donnerstag zur, sagen wir mal, ungewöhnlichsten Verleihung jemals: und zwar an Sängerin Kylie Minogue zur „Gentlewoman of the Year“. Eine tolle Wortschöpfung, die auch schon in der Pressemeldung zu bewundern war.

Dabei hatte der Verlag mit Strahlemann David Beckham doch schon einen ausreichend aufmerksamkeitsstarken Vorzeige-Man. Hätte der nicht gereicht? Wenn das Schule macht, kommt bei der Wahl zum „Fußballer des Jahres“ auch George Clooney für die Kategorie „Couch-Football-Visitor of the Year“ infrage. Oder Pam Anderson gewinnt beim Henri-Nannen-Preis in der Kategorie „Lifetime Breast Achievement“. Stars unter Vorwand auszuzeichnen, nur weil es der Terminkalender zulässt, oder sie gerade in der Stadt sind und sie vor der auf Events herangeholten Werbewand eine gute Figur machen, ist eine Entwicklung, die allen Awards die Glaubwürdigkeit nimmt. Auch Burdas Bambi – der geneigte Zuschauer erinnert  sich an die denkwürdigen Auftritte von Tom Cruise oder Gwyneth Paltrow – litt schon manches Mal in der Vergangenheit unter diesem Problem. Sowas sollte nicht zur Normalität werden.

(Daniel Häuser) Foto: Georges Biard / Wikimedia Commons