Ein Kapitän geht von Bord. Der Gründer und Geschäftsführer von Wunder Media, Armin Nusser, hat das Unternehmen verlassen, um sich neuen Herauforderungen zu stellen. Nusser erfand die Company im Jahr 2000 zusammen mit seinem Partner Todd Covell mit acht Mitarbeitern. Im Laufe der Jahre hat sich der öffentlichkeitsscheue Manager ein kleines Medienimperium geschaffen. Nach der erfolgreichen Etablierung etwa von Fem.com oder der Fantastic Zero GmbH wuchs das Unternehmen schnell auf über 100 Mitarbeiter. Außerdem gewann Nusser erfahrene Medienstrategen wie Ex-SevenOne-Media-Chef Peter Christmann und zwischenzeitlich Condé-Nast-Manager Markus Schönmann. Der Abgang von Nusser hatte sich schon angedeutet. Er berief im vergangenen Jahr seinen langjährigen Mitarbeiter Alexander Dix zum Co-Geschäftsführer. (Daniel Häuser)

Wir trafen Nusser für ein Porträt in Ausgabe 30, das wir aus diesem Anlass heute online stellen:

Ein freundlicher Kerl

Er gilt als zurückhaltend und grundnett – manche sagen: zaudernd und unverbindlich. Ganz sicher ist Armin Nusser ein Typ, der niemandem wehtut. Immerhin hat er’s – anders als die meisten – geschafft, aus einem New-Economy-Flirt eine stabile Beziehung zu machen. Zehn Jahre nach dem Blasensprung ist seine Wunder Media schon so etwas wie ein Dotcom-Dino. Dabei wäre Nusser ums Haar nicht Unternehmer, sondern Landschaftsgärtner geworden.

Ach, er lacht so schön, grinst übers ganze Gesicht. Und selbst wenn er ernst dreinschauen soll, strahlen seine Augen wenigstens ein bisschen. Armin Nusser könnte viele Rollen übernehmen – die des Bösewichts würde ihm freilich niemand abkaufen. Dabei, sagt er, sei er „tatsächlich auch ein ernster, nachdenklicher Mensch“. Kaum vorstellbar bei einem so unglaublich netten, lieben Kerl. Nusser ist ein Sympathikus, einer, den man total gern um sich hat. Einer, an dem sich mancher allerdings auch vergebens abarbeitet, auf der Suche nach Ecken und Kanten. Nusser ist kein Lautsprecher, kein Hasardeur, keiner, der die eigene Eitelkeit zur Schau trägt. Unaufgeregt treibt der heute 41-Jährige zusammen mit seinem Alter Ego Todd Covell die in der Dotcom-Ära gegründete Wunder Media voran, einen Dienstleister für die Produktion und Publikation von Inhalten für Online, Print und Mobile. Ein Geschäft mit Höhen und Tiefen – und überschaubaren Margen –, weshalb Nusser und Covell parallel an immer neuen Ideen „mit einem größeren Hebel“ stricken. Den fanden und finden sie in der Werbevermarktung.

Hin, her, quer

Unterhaltungsportale für sie („Fem“) und ihn („Fantastic Zero“) entsprangen diesem Treiben, beide inzwischen gewinnbringend veräußert. Aber auch der Livekonzert-Streamingdienst „Livedome“, an dem Wunder Media nur noch eine Minderheit hält. Und Ideen wie „Vertikal Network“ oder Peter Christmanns Video-Content-Aggregator „SnackTV“. Unlängst wurden die beiden letztgenannten Firmen in der Holding Media Group One gebündelt. Wunder Media bleibt Dienstleister, gleichwohl „zu anderen Konditionen als gewohnt“, wie Nusser einräumt.

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Hin, her, quer – so läuft das muntere, offenbar erfolgreiche Spiel, und der Wahlmünchner hat sichtlich Freude daran. Wobei Außenstehende bisweilen uneins sind, ob wirklich er selbst oder vielleicht doch eher Covell der eigentliche Dealmaker ist. „Was die vertikalen Netzwerke angeht, ganz klar Todd“, erklärt Nusser. Anderes wiederum entstehe auf seinem Mist, „unter dem Strich ist es ausgewogen und funktioniert zusammen einfach am besten“. Zwischen zwei der womöglich letzten Online-Helden passt kein Blatt Papier.

Bequemer Mensch

Kennengelernt haben sich beide 1994. Damals zog es Nusser zwecks Studium nach München. „In Ansbach, wo ich herkam, hatte ich Baseball gespielt, nun suchte ich einen neuen Verein“, blickt er zurück. Halbamerikaner Todd war dort Präsident und Spieler. Es entwickelte sich eine Freundschaft; in der Folge machten Nusser und Covell auch abseits des „Fair Territory“ gemeinsame Sache – und legten gleich mal eine gekonnte Pleite hin: Als „City Hoppers“ wollten sie Angetrunkene auflesen und in deren Auto sicher nach Hause bringen. „Das haben wir zusammen gemacht, ein Dreivierteljahr lang, und dann gemerkt: Das lohnt sich nicht. Und dann haben wir es wieder sein lassen“, sagt Nusser, „aber es war sehr lustig.“
Heute, mit dem Erfolg von Wunder Media im Rücken, kann er’s locker nehmen. Dabei war ihm der Weg als Unternehmer nicht vorgezeichnet. Aufgewachsen im mittelfränkischen 2000- Seelen-Örtchen Leutershausen („Ich bin ein Landei“), hatte sich Nusser nach dem Abitur an einer Fachoberschule eingeschrieben, um Gartenbauarchitektur zu studieren. „Ich wollte Landschaftsgärtner werden, habe mich dann aber innerhalb von zwei Wochen neu orientiert.“ Nusser lernte Industriekaufmann und studierte BWL: „Das war eine sehr spontane, aber die richtige Entscheidung. Offenbar hatte es diesen Impuls gebraucht – und das habe ich dann konsequent durchgezogen.“ Untypisch für Nusser, der Entscheidungen für gewöhnlich lange abwägt, Drängendes auch gern mal bis zuletzt aufschiebt, wie er bekennt. Ja, er sei „durchaus ein bequemer Mensch und pragmatisch veranlagt“. Sollte da am Ende doch noch ein Käntchen aufblitzen? Mensch Nusser, sei doch ab und zu auch mal böse – wenigstens ein bisschen. (Bijan Peymani)

Fotos: Alexander von Spreti