Eine völlig andere Welt der deutschen Zeitschriftenlandschaft gibt es jährlich beim Award „Best of Corporate Publishing“ zu bewundern. Während die Großverlage mit Neuerscheinungen immer mehr geizen, erlebten die Jury-Mitglieder bei den Award-Sitzungen am Airport München, zu denen Clap in dieser Woche zählte, ein erstaunlich vitales Zeitschriftenbusiness mit vielen Neugründungen. Es war eine Materialschlacht: Oftmals haben CP-Magazine eine Ausstattung, die sich viele Publikumstitel nur wünschen können: XXL-Format, feinstes Papier oder sündhaft teure Cover-Prägungen.

Corporate Publishing entwickelt sich aber vor allem immer mehr zu einer Spielwiese für altgediente Print-Strategen. Das ist die neue CP-Zeitschriftenwelt: Viele Geschichten, die ohne Weiteres bestens in einem Nachrichtenmagazin aufgehoben wären, gehen so der Allgemeinheit verloren, weil sie von Top-Journalisten produziert werden. Längst mischen Leute wie Manfred Bissinger, Sven Schrader oder Michael Kneissler in diesem Business mit. Und so gibt es teuer produzierte Exklusiv-Interviews mit wichtigen Politikern zu bewundern, die dann aber beispielsweise nur den Lesern in der Automobilzuliefererbranche vorbehalten sind. Neu ist auch, dass immer mehr exzellente Autoren verpflichtet werden. Beispielsweise durfte der hinlänglich bekannte Onliner Jeff Jarvis in mehreren der eingereichten Publikationen schreiben.

Und so ist es kein Wunder, wenn es in dieser Woche eine Geschichte aus einem Geschäftsbericht zu Weltruf erlangt. Eigentlich eine PR-Story eines Unternehmens, das auch starke Corporate-Publishing-Titel anbietet. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis CP-Magazine redaktionelle Scoops erzielen und so auch journalistisch größere Anerkennung bekommen. Allerdings verschwimmt so die Grenze zwischen Werbung und Journalismus immer stärker. (Daniel Häuser)

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