Gestern holte die „taz“ Frauke Böger (2. v. r.) in die Gesamt-Chefredaktion, ein weiteres wichtiges Zeichen in Richtung Generationswechsel in den Verlagen. Denn in den vergangenen Wochen beförderten einige Printtitel bereits ihre jungen Online-Chefs: Mit Anita Zielina (2. v. l.) vom „Stern“, Oliver Stock (r.) vom „Handelsblatt“ und wohl demnächst auch dem (Chefredaktions-intern) umstrittenen Stefan Plöchinger (l.) von Sueddeutsche.de wurden bereits die führenden Köpfe der Online-Redaktion in die jeweilige Gesamtchefredaktion ihres Blattes geholt. Ein Aufbruch in dieser Breite von führenden journalistischen Publikationen hat es so noch nicht gegeben. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis noch weitere Titel mit entsprechenden Personalien nachziehen.

Lange Zeit galt die Printredaktion mit vorherigem mehrjährigem Volontariat und Praktikum als Aussicht für den schnellen Aufstieg im Verlag. Das scheint jetzt vorbei. Online-Chefredakteure kommen an die Macht, und sie gewinnen mit großer Schnelligkeit an Bedeutung im Verlag. Auch bei Bild.de, wo sich ja zuletzt einiges getan hat. Dort wurde der eher bislang weniger bekannte 33-jährige Julian Reichelt Ende vergangenen Jahres zum Internet-Chef gemacht, nachdem der langjährige Onliner Manfred Hart überraschend kurzfristig das Feld in Richtung „Digitale Entwicklungsprojekte“ räumen musste. Der junge Reichelt dürfte jedenfalls an der Spitze von Bild.de beste Aussichten auf höhere Weihen im Springer-Newsroom haben. Genau so wie etliche andere Online-Chefs. Mit einem Schlag können sich jetzt eigentlich alle Online-Chefredakteure des Landes ein bisschen befördert fühlen.

Viele langjährige Printredakteure dürften wegen ihrer Verdienste enttäuscht sein. Die Personalien werden wohl auch innerhalb der Redaktionen noch zu einigen Tubulenzen und Enttäuschungen führen.

(dh) Fotos: Pressebilder