Eine Anzeige und im selben Heft ein kritischer Artikel über das werbende Unternehmen. Eigentlich gar nicht so abwegig, aber das kommt nur noch höchst selten vor. Warum eigentlich? Die „SZ“-Leaks in dieser Woche haben nochmal deutlich gemacht, wie tief geschäftliche Interessen der Verlage mit den redaktionell arbeitenden Abteilungen im Unternehmen verflochten sind. Früher selbstverständliche Normen scheinen mittlerweile keine besondere Bedeutung mehr zu haben. Bei Zeitungen genauso wie bei einigen Zeitschriften. Speziell Hochglanztitel aus dem Mode- und Lifestyle-Segment sind längst empfänglich für fragwürdige Deals.

Doch wer kontrolliert Print? Eigentlich niemand, natürlich gibt es den Presserat, der mit seinen regelmäßigen Rügen dafür sorgt, dass nicht täglich bluttriefende Fotos vom Krieg in der Ukraine den Weg in die Zeitung finden. Doch in geschäftlichen Fragen hilft der Pressekodex ganz offensichtlich allein nicht weiter. Es bräuchte zusätzlich eine Art Bafin für gedruckte Print-Erzeugnisse. Eine Schleichwerbepolizei. Das Apple-Logo zu groß gedruckt? Erst die Anzeige und gleich daneben ein über die Maßen wohlwollender redaktioneller Text? Obskure Produkt-Informationen ohne redaktionellen Mehrwert? All das und noch viel mehr wäre Arbeit für die Schleichwerbepolizei.

Klar, Verfehlungen würde es auch weiterhin geben. Doch zumindest kämen durch eine neue Kontrollinstanz innerhalb des Verlagsgeschäfts legitimerweise die Fragen auf: Was geht? Und was geht nicht?

(dh) Foto/Montage: Clap