Das wird einige wohl etwas verstören: Wenn am kommenden Montag der „Fat Chicken Club“ auf Sendung geht, muss der Comedy-begeisterte Fernsehzuschauer ein sehr weit gefasstes Humorverständnis mitbringen. Es wäre jedenfalls überraschend, wenn der einkalkulierte Zuschauprotest u.a. bei den gezeigten Schwulen- und Judenwitzen (siehe Video unten) ausbliebe. Will der Sender für einen handfesten Skandal sorgen? Clap hat sich mit dem Präsentator der Sendung Ingmar Stadelmann vorab unterhalten.

In sechs Sendungen werden 42 Künstler präsentiert. Ganz schön viele „geile Wilde“, wie Sie es ankündigen. Das sind also nicht weniger als sieben Comedians pro Sendung. Man könnte denken, Masse war Ihnen wichtiger als Klasse?

Stadelmann: Wenn es um Masse ginge, hätten wir Otti Fischer eingeladen. Es gibt mittlerweile in Deutschland eine riesige Stand-up-Szene, die im TV aus verschiedensten Gründen nicht stattfindet. Sieben Künstler pro Show findet man doch nur viel, weil einem immer nur die üblichen fünf Verdächtigen bei deutscher Stand-up-Comedy einfallen. Mir war es wichtig, möglichst viele verschiedene Richtungen zu zeigen. Da sind einfach sau gute Leute dabei, die an einer Form der „politische Korrektheit“ medial scheitern; da raufst du dir die Haare. Und gleichzeitig klickt das Publikum, das sich für richtig guten Stand-up interessiert, irgendwelche Clips aus den Staaten oder UK. Das ist jetzt vorbei! Das wollten wir beenden!

Juden- und Schwulenwitze haben einen nicht gerade geringen Anteil in der „Entertainment-Hölle“. Sollen die Humor- und Geschmacksgrenzen der Deutschen neu ausgetestet werden?

Stadelmann: Ich zitiere da gerne mal Jürgen von der Lippe: „Pointen sind wie Sex – je dreckiger, je besser.“ Mal ganz abgesehen davon ab, dass ich das noch gar nicht „gemessen“ habe, ob diese Jokes wirklich einen so großen Anteil in der Show ausmachen. Ein Fall für Statistik-Studenten: Die sogenannte GJJQ (Gay-Jew-Joke-Quote) pro Show! Es fällt wahrscheinlich nur auf, weil es die einzige Show ist, in der diese Jokes erlaubt sind, bzw. nicht dem Schnitt zum Opfer fallen. Fragen sie mal lieber bei den anderen Sendern nach, wieso das nur bei TELE 5 geht!

Mussten Sie bei einem Ihrer „geilen wilden“ Künstler Zensur ausüben?

Stadelmann: Tolle Frage! Das ist ein bisschen so, als würden Sie sich ein Bild von Van Gogh kaufen und sagen: „Im Prinzip ganz schön, aber die Sonnenblume gefällt mir nicht, die übermal´ ich.“ In dieser Show wird es keine Zensur geben. Der Schnitt dient wenn überhaupt, dann nur zur Rettung der Gesamtlänge. Aber inhaltlich werden wir niemanden ins Handwerk pfuschen. Sie werden auch Momente sehen, in denen das Publikum buht, weil es sich gegen einen Gag positioniert. Was die Leute aber nicht tun: Dem Künstler die Zuneigung und Aufmerksamkeit nehmen. Das war ganz faszinierend zu erleben, weil es viel von dem widerlegt, was mir in Fernsehsendern von Redakteuren schon um die Ohren gehauen wurde. Die Leute begreifen sich bei uns als Teil des Spiels und noch besser: sie lassen sich tatsächlich darauf ein und haben Spass daran! Wenn man das sieht, kann man nicht anders als dabei sein zu wollen – oder eben auf die nächste Folge am nächsten Montag zu warten.

Angekündigt wird die Sendung als „K.K. Blowhills“ Fat Chicken Club. K.K. Blowhill steht ja wohl für TELE 5-Geschäftsführer Kai Blasberg. Inwiefern war er denn mehr als nur der Namensgeber der Sendung?

Stadelmann: Erstmal: Ich bin mir ja bis zum heutigen Tag nicht ganz sicher, ob Kai Blasberg tatsächlich existiert. Ich hatte nach den ersten Treffen den Eindruck es könnte auch Olli Dittrich sein, der eine Persiflage auf einen Senderchef spielt. Der Mann fährt ein Mercedes S-Klasse Coupé aus den 90ern. Mehr muss man über ihn eigentlich nicht wissen. Aber um es kurz ernsthaft zu sagen: Ihm gilt natürlich in aller erster Linie Dank für die Erkenntnis, dass man eine deutsche Stand-up-Comedy-Show vielleicht auch etwas anders machen kann, als man das hier bis jetzt getan hat. Er ist so eine Art „Entertainment-Pate“ und sorgt dafür, dass die Künstler sich frei entfalten können. Das Gefühl von „Macht einfach mal, ich vertraue euch!“ ist seine Hauptbotschaft und das ist Gold für eine Show ohne falsche Moral und politische Korrektheit.

Interview: Daniel Häuser

Foto: Robert Maschke