Einst führte Robert Sandmann die Vision-Media-Geschäfte von Verleger Christian Medweth. Nach seinem Weggang im vergangenen Jahr wurde es still um den frankophilen Autoliebhaber. Jetzt ist Sandmann wieder da – als einer von fünf Publishern der französischen Jalou Media Group, die in Berlin eine Dependance eröffnet hat. Anlass genug, ein Clap-Clubgespräch online zu stellen, dass wir in Ausgabe 47 mit ihm führten:

Sandmann, lieber Sandmann …
O.k. Und wie lautet jetzt die Frage? Das ist das, was man mit dem Namen am häufigsten in Verbindung bringt, selbst als ich noch in der Schule war. Ich finde, „Sandmann“ ist eigentlich ein sehr schöner Name.

Kennen Sie denn Melodie und Text?
Klar. Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit …

Hat der Name in Ihrem Leben eine Rolle gespielt?
Am Telefon sage ich einfach: „Geschrieben wird’s wie das Sandmännchen“, da weiß dann jeder Bescheid.

Sie gehen da also durchaus selbstironisch mit um.
Es ist ja auch eine positive Figur. Mit „Mr. Sandman“ gibt es auch noch ein anderes schönes Lied, das jeder mitsingen kann.

Und außerdem gibt’s ja auch noch „Enter Sandman“ von Metallica. So richtig Heavy Metal war aber auch, dass sich Springer von einem großen Teil seines Printgeschäfts trennte. Wo waren Sie, als das bekannt gegeben wurde?
Ach, ich fand das gar nicht so spektakulär, eigentlich nur konsequent. Ich habe ja in meiner Zeit bei Springer mitgearbeitet bei der Digitalisierung des Verlags. Es war schon lange Zeit davor nicht zu übersehen, was vor sich geht. Was mich nur überrascht hat, war der Verkauf von „Hamburger Abendblatt“ und „Bild der Frau“. Mit dem „Abendblatt“ wurde der Verlag ja gegründet, und „Bild der Frau“ ist ja ein echter Titel aus der „Bild“-Familie, den ich auch selber gemacht habe.

Sie haben die Nachricht also komplett unaufgeregt entgegengenommen? Das haben wir bei einem anderen Printmanager einst anders erlebt.
Ja, eigentlich schon.

Haben Sie es schon geahnt?
Nein, ich bin ja ein Jahr zuvor gegangen. Wenn die News dann kommt, ist man schon ein wenig überrascht, aber dann auch wieder nicht, wenn man bei Springer gearbeitet hat. Ob man es selber so entscheiden würde, lasse ich mal offen. Aber konsequent ist – wie gesagt – diese Entscheidung schon.

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Sie hatten ja schon Ihre langjährige Expertise in Sachen Frauenzeitschriften erwähnt. Bitte verraten Sie uns: Wie wird man als Mann Chef von so einer Sparte?
Ich bin ja nicht ausschließlich Spezialist für Frauentitel. Ich habe in meiner Zeit im Ausland so ziemlich jede Zeitschriftengattung gemacht. Hab auch Automobilzeitschriften gemacht – unter anderem den größten Automobilzeitschriftenverlag in Frankreich.

Mögen Sie schnelle Autos?
Auf jeden Fall. Privat fahre ich einen Alfa Romeo Spider und etwas sehr Spezielles: einen selten gebauten Renault Avantime. Es ist das Coupé-Modell vom Espace, das Besondere sind zwei große und schwere Einsteigetüren. Das sind meines Wissens die größten Türen in der Automobilgeschichte. Wegen der komplizierten Türmechanik ist die Zulieferfirma Matra sogar pleitegegangen. Die Türen sind wunderbar, allerdings geht der Wagen trotzdem andauernd kaputt. Neben Autos ist aber das Segeln eine Leidenschaft von mir.

Wohin segeln Sie denn gern?
Leider ist es hier in München nicht ganz einfach für so ein Hobby, jedenfalls für jemanden, der aus dem Norden kommt. Das nächste relevante Gewässer ist weit entfernt. Die Seen dümpeln hier so vor sich hin, entweder man hat Flaute oder Sturm.

Aber bei Ihrer langjährigen Tätigkeit für Axel Springer in Paris konnten sie ja wohl auch nicht segeln.
Doch, da fährt man mit dem TGV nach Südfrankreich und leiht sich ein Boot aus.

Den Tegernsee können wir Ihnen dennoch empfehlen. Nicht wegen des Wassersports, sondern beruflich. Denn da befindet sich im Grunde eine geheime bayerische Medienmachtzentrale.
Ach so?! Am Tegernsee war ich bisher noch gar nicht. Ich glaube, vieles wird sich in den kommenden Jahren eher an den Wannsee verlagern. Ähnlich wie Axel Springer wollen doch viele Medienunternehmen nach Berlin. Das wird ein ähnlicher Prozess wie mit den Bundesministerien. Auf jeden Fall macht Herr Quoos schon mal den Anfang.

Verliert der Printstandort München an Bedeutung?
Gruner + Jahr hat hier schon zugemacht. Von der Infrastruktur der Verlage her werden München und Hamburg die großen Printstandorte bleiben. Zumindest wird aber die Infrastruktur für Zeitschriften in Berlin immer besser. Das war zu meiner Zeit in der Hauptstadt vor vielen Jahren noch nicht so.

Sie lebten und arbeiteten lange Jahre in Paris. Vermissen Sie Frankreich?
Ich habe da eine große Affinität, spreche sehr gutes Französisch. Fahre auch weiterhin dorthin in Urlaub. Auch die Zusammenarbeit finde ich dort sehr angenehm. Ein großer Vorteil im europäischen Ausland und in Städten wie Paris ist: Man muss nicht viel reisen, um jemanden zu treffen, alle wichtigen Manager trifft man in der Hauptstadt.

(Interview: Bulo/Häuser) Fotos: Alexander von Spreti