Lieber BDZV!

Am Sonntag morgen erreichte mich Eure Twitter-Kurzmitteilung, die mich wegen der lautstarken Smartphone-Benachrichtigung unsanft aus dem Schlaf riss: „Respekt! @newshausen hat keine Ahnung und schreibt es auch noch. Lesen hilft!“ Dabei hatte ich durchaus gelesen und ein paar Stunden zuvor mit einem Tweet nur zum Ausdruck bringen wollen, dass die beiden von Hans Leyendecker ins Spiel gebrachten Nachfolger bislang in der Printbranche bei weitem noch nicht dieselbe Flughöhe wie der Oberinvestigative haben. Selbstverständlich sind die beiden Obermai(y)ers fachlich gesehen absolute Top-Journalisten und über jeden Zweifel erhaben. Nur die Bekanntheit in der Printszene ist ausbaufähig. Der Verlag hätte ja schon früher anfangen können, vielleicht sogar müssen, die beiden möglichen Nachfolger aufzubauen. So einen Leyendecker brät man sich nicht mal so eben in der Bratpfanne.

Der Fall beschreibt doch eine bemerkenswerte Tatsache. Die Printbranche geht oft fahrlässig mit ihren interessanten Persönlichkeiten und herausragenden Talenten um. Besonders die investigativen Printreporter werden in den Medienunternehmen weder besonders gefördert, noch für ihre tagelangen Recherchen belohnt. Vielleicht sieht man sie bisweilen sogar eher als Gefahr im Kommunikationsbetrieb, und sie werden bewusst klein gehalten. Eigentlich gibt’s doch in jedem größeren Print-Verlag mindestens einen Leyendecker, nur kennt man sie nicht besonders gut. In der publikumswirksamen Wahrnehmung ist Leyendecker vielleicht auch deswegen seit vielen Jahren der unumstrittene Superstar unter den Investigativen. Er wurde in die wichtigen Fernseh-Talkshows eingeladen, wenn es um die wirklich heißen Themen ging. Womöglich wurde er aber auch deswegen immer bestellt, weil es so wenige Alternativen zu ihm gab.

Liebe Kollegen vom BDZV, Printprodukte brauchen mehr bekannte Persönlichkeiten. Deswegen werde ich meinen Tweet nicht zurücknehmen. Grüße aus München.

Daniel Häuser

Foto: Verband Druck + Medien Nord-West e.V.