Disruption, wo bist du geblieben? Das Jahr 2015 sollte angeblich die große Wende bringen. Die Fachmedien und sämtliche Protagonisten in der ersten Reihe waren, Sie erinnern sich, völlig aus dem Häuschen: Zeitungen sterben, die Zeitschriften gleich mit. Es stand eine große Medien-Katastrophe bevor, die auch TV mitreißt. Die Fernsehzuschauer würden sich abwenden von analogem „Bauer sucht Frau“, „Julia Leischik sucht“ und „Schwiegertochter gesucht“. Die unendliche Suche sollte ein Ende haben – und bei Netflix ihr Heil finden.

Alles würde digital werden: Die Medien, die Werbung, der Konsum und die Verbraucher sowieso. Was sage ich? Digital? Nein, Mobile! Mobile überholt alle Medien in Lichtgeschwindigkeit. Wir verwandeln uns in mobile Wesen, die Online nur noch für einen Zufalls-Warp im Raum-/Zeit-Kontinuum hielten. Für einen unvermeidlichen Irrweg.

Und Sie? Haben Sie Ihre Kampagne disruptiert? Analog raus, mobile rein? Ich habe Ihre Content-Kampagne gar nicht gesehen. Wo war Ihre Influencer-Strategie? Sie kaufen Ihre Medien immer noch nicht programmatisch?

Ich will nicht ungerecht sein. Es gab 2015 sehr wohl eine disruptive Nachricht, die mich vom Sessel riss. Burda stieg als Großaktionär des Online-Tiernahrungshändlers Zooplus aus. Das Geschäft passe nicht zu den übrigen Aktivitäten des Medienkonzerns. Darauf war ich in keinster Weise gefasst…

Ansonsten gilt: Ruhe bewahren. Die Disruption kommt auch für Sie und Ihre Kampagne früh genug. Man soll ja nichts übers Knie brechen. Vielleicht verschieben wir diese Disruption einfach aufs nächste Jahr. Ein ganzes, jungfräuliches 2016 liegt ja noch vor uns. Aber dann disruptieren wir, oder? Versprochen?

Halt. Ich glaube Ihnen kein Wort. Sie machen ja doch nur weiter wie bisher. Getreu dem Motto: So haben wir es immer gemacht. Ok, dann machen wir wieder das mit den Fähnchen.

Text: Thomas Koch