Clap-Fotograf Alexander von Spreti kennt sich aus mit Pressefotos. Seit vielen Jahren ist er auf den Webseiten der TV-Unternehmen und Verlage unterwegs und stellt immer wieder fest: die veröffentlichten Bilder der Geschäftsführer und Senderstrategen sind immer noch verbesserungswürdig. Im letzten Clap-Magazin (Nummer 56) hat er seinem Ärger darüber Luft gemacht:

Wenn man sich als Fotograf durch einige Presseseiten durchgeklickt findet der Besucher schnell höchst Erstaunliches. Beispielsweise Dipl-Ing. Mayer, der grinsend mit seiner neuesten Innovation vor der eigenen Firma. Total öde. Mega unkreativ. Sowas findet sich nicht nur im Maschinenbau, sondern auch auf den Internetauftritten namenhafter Kreativagenturen und bei Verlagen. Dabei haben die deutschen Werbeagenturen in Bezug auf ihre Kreativleistung doch eigentlich einen guten Ruf! Doch das Bildmaterial im Pressebereich lässt doch immer wieder stark zu Wünschen übrig. Auch hier die Geschäftsführer vor grauem Karton im Studio fotografiert. Oder jedes Mitglied der Geschäftsleitung hat den Fotografen seines persönlichen Geschmacks aufgesucht, der dann für ein allzu buntes Treiben auf der Bilderseite sorgt. Und wenn es zeitlich nicht passte: Schnell das Foto, das der Lebenspartnerin so gut gefiel von der Festplatte gezogen, der hauseigenen Grafik gemailt.

Der Grafiker meint es dann noch besonders gut. Ein tiefer Griff in den Malkasten von Photoshop und verschwunden sind alle die ehrlich erworbenen Falten im täglichen Pitch, die Äderchen der vielen Rotweinproben, wegretuschiert. Auf einigen Seiten sind alle Mitarbeiter zu sehen, das ist einerseits löblich. Manche haben scheinbar irgendein Lieblingsbild mitgebracht. Der untergehende Sonne richtig belichtet, der Artdirector davor eher ein Schattenriss. Ob der Kunde sehen will das die Kontakterin nicht nur zum Kunden, sondern auch zu Hunden engen Kontakt hält? Schön auch das Beweisfoto aus der Geschwindigkeitskontrolle. Sicher, auf Facebook ein kleiner Lacher. Auf einer Selbstdarstellung der Agentur, was soll das denn?

Auf der Verlagsseite sieht es oft nicht besser aus. Eine Bilder-Presseseite, die an Pippi Langstrumpf Villa Kunterbunt erinnert findet sich auch in der süddeutschen Verlagslandschaft. Da scheint eine Mail in die Geschäftsführungsebene gegangen zu sein: „Jeder bringt am Montag mal ein Foto mit.“ Am Sonntagabend fiel es einigen doch noch ein und die Ehefrau durfte ein Bild aussuchen. Wer es nicht schaffte musste die Teamassistentin mit der Kamera bemühen. So siehts jedenfalls aus! Auch manches Editorialfoto der Chefredaktion, im Hintergrund sind leicht unscharf die Titel der vergangenen Jahre zu sehen. Ist das ein Reminiszenz! Manche Redaktionsleiter spiegeln in ihrem Gesicht den Zustand der Branche wieder. Jede Falte um die hängenden Mundwinkel eine in das Internet abgewanderte Anzeige. In hippen Magazinen in Mode gekommen, der lässige Chefredakteur. An die Wand gelehnt, Hände in den Taschen, ein Blick, der an einen pubertären Teenager erinnert.

Scrollen wir uns eine Hierachieebene höher. Der Hintergrund zeigt ein lichtdurchdrungenes Foyer in der Größe eines Fussballfelds, davor der Verlagsgeschäftsführer. Diese Fotos sehen wir nicht mehr. In den meisten Verlagen ist die  Platzverschwendung Geschichte, seit jedes Vorzimmer ein eigener Profitcenter ist. Da wird das Foto, wie bei der Redaktion, scharf angeschnitten. Kein Hintergrund, kein Platz für Spekulationen. Oft behilft sich der Verlagsfotograf auch hier mit dem neutral grauen Hintergrundkarton. Der Blick ernsthaft, aber freundlich.

Dabei gibt es sehr gute Beispiele für gelungene Unternehmensporträts, da werden die Mitarbeiter und Geschäftsführer in der Arbeitssituation fotografisch begleitet. Es entsteht eine Reportage, die fotografische Klammer bildet das persönliche Erleben der Agentur für den Betrachter. Der Fotograf arbeitet mit Schärfen und Unschärfen, das gibt dem Bild Spannung. Nicht jeder muss auf dem Foto zwanghaft grinsen, ein Missverständniss, nicht jeder ist eine Grinsekatze. Zumal wenn es der Zahnstatus nicht zulässt. Auch ist die  komplette Ausleuchtung nicht immer schmeichelhaft, Mut zum Schatten. Das Schwarz/Weiss ebenfalls eine Möglichkeit eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Ob sich der Kreativdirektor im Anzug wohlfühlt sieht der Betrachter auf den ersten Blick, dann soll er doch die Klamotten tragen die gefallen und er sich zu Hause fühlt. Ein Bügeleisen ist immer zur Hand, das macht das geliebte Hoodie fotofein. Die Farbentsättigung ist ein Tool in der Bildbearbeitung, in den vergangenen Jahren etwas überstrapaziert. Fotografische Aufnahmen sollen den Porträtierten zeigen, das Bild dient als Information und sollte zum Anspruch des Unternehmens passen. Da ist das produzierenden Gewerbe mancher Agentur oder Verlag doch weit voraus. Klar gibt’s Terminnot in den Führungsetagen, dennoch – die Aufnahmen sollten aktuell sein. Alle zwei Jahre muss sich ein Termin finden lassen um einen Fototermin anzusetzen. Sollte ein Personalwechsel stattfinden, muss im selben Ductus ein Foto gemacht werden. Und dem Fotografen genügend Zeit gelassen werden das Foto zu erstellen. Es soll die kommenden Jahre dem Unternehmen ein Gesicht zu geben. Über manches Catering zu einem Event wird länger nachgedacht, als ein Fotograf zu fotografieren des Geschäftführer hat. So ist es leider immer noch.