Die Meldung, dass eine externe Redaktion um Markus Schönmann ab dem nächsten Jahr den Titel „Donna“ produziert, führte gestern zu einigem Aufsehen in der Verlagswelt. 14 Mitarbeiter erhielten beim Münchner Verlag die Kündigungen. Burda will die Weiterbeschäftigung des Personals bei anderen Objekten prüfen. Auch bei Chefredakteurin Katja Hertin, die das Heft zusammen mit Ulrike Zeitlinger als Line Extension der „Freundin“ mit aufgebaut hat? „Diese Chance besteht“, betont eine Sprecherin, doch sehr wahrscheinlich ist das bei Hertin wohl nicht. Denn sie ist im Verlag sehr stark mit dem Titel verbunden.

Hertin war seit Anfang 2014 Nachfolgerin von Ulrike Zeitlinger bei der Zeitschrift „Donna“. Sie formte aus der früheren Line Extension „Freundin Donna“ eine eigene Zeitschriftenmarke. Noch vor einem Jahr formulierte die Rad fahrende Buchschreiberin im Clap-Clubgespräch ihre Ziele mit „Donna“, das wir aus diesem Anlass online stellen.

Was ist der beste Witz über Frauen?
Sorry, ich habe leider überhaupt kein Gedächtnis für Witze.
Aber Sie haben doch Bücher geschrieben, wo so was drinsteht.
Zum Beispiel eins über Frauen-Klischees. Welchem Klischee
kommen Sie selbst am nächsten?
Meine Güte! Es ist ja schon zehn Jahre her, dass ich dieses Buch geschrieben habe. Aber Karriere- und Powerfrau kommt da sicher drin vor. Aber wie das so ist mit Klischees, will man selber keinem angehören. Der Blick von außen beweist aber dann oft das Gegenteil.
Gibt es ein Klischee, das auf alle Frauen zutrifft?
Eigentlich nicht. Spannender finde ich, dass es immer wieder neue gibt, zum Beispiel die Latte-Macchiato-Mütter oder die Cougar-Frauen, also wenn ältere Frauen Jagd auf jüngere Männer machen.
Bei den Leserinnen Ihrer Zeitschrift vermutet man vor allem die vielbeschworenen „starken Frauen“. Gefällt Ihnen diese Begrifflichkeit überhaupt?
Nicht unbedingt, weil es ja nur ein Aspekt ist. Die ausschließlich starke Frau gibt es überhaupt nicht. Das ist weder besonders erstrebenswert noch realistisch. Nichtsdestotrotz haben wir eine Rubrik im Heft, die „Starke Frauen“ heißt im Sinne von „Frauen, die wir toll finden“.
Wie stark müssen Sie als Frau sein, wenn Sie darauf angesprochen
werden, wie groß die Fußstapfen von Ulrike Zeitlinger sind, in die Sie ja getreten sind.
Das bin ich noch nie gefragt worden. Ich habe unglaublich lange mit ihr zusammengearbeitet, viel von ihr gelernt und mit ihr „Donna“ auch entwickelt. Sie ist eine gute Freundin von mir. Im Übrigen war es gar nicht selbstverständlich, dass ich als Stellvertreterin ihren Job bekommen habe. Das ist im Zeitschriftenbusiness
nicht so oft der Fall. Ich habe nach dem Weggang von Ulrike Zeitlinger auch eine Zeit gebraucht, um meinen eigenen Stil als Chefredakteurin zu finden.
Was haben Sie seitdem anders gemacht?
Da „Donna“ auch mein Baby ist und ich in der Zeit mit Ulrike Zeitlinger meine Vorstellungen weitgehend verwirklichen konnte, hatte ich nach ihrem Weggang nicht das Bedürfnis, alles anders zu machen, so wie das vielleicht ein Chefredakteur getan hätte, der von außen neu dazukommt und seine Handschrift hinterlassen
will. Das wäre auch total unnötig gewesen. Das Heft funktioniert ja wunderbar. Natürlich überarbeiten wir permanent Layout und Konzept und nehmen immer wieder kleinere Kurskorrekturen vor. Zum Beispiel habe ich neue Rubriken eingeführt und die Zahl der Hollywood-Interviews zurückgeschraubt. Also nicht das 100. Meryl-Streep-Interview, weil ja mittlerweile auch gar nicht mehr dauernd bewiesen werden muss, dass es genügend Frauen 40 plus gibt, die Glamour haben.

 


Aber Sie konnten plötzlich vieles allein entscheiden. Warum
haben Sie das nicht so stark ausgenutzt?
Wie gesagt: Ich muss nicht Dinge, die gut funktionieren, ändern, um mich zu profilieren. Im Übrigen mache ich durchaus so einiges anders als meine Vorgängerin. Wir sind ja auch ziemlich unterschiedliche Menschen. Wichtig finde ich jedenfalls, dass man in dem, was man tut, authentisch bleibt. Wobei ich diesen viel bemühten Begriff nicht mehr hören kann.
Wie viele von denen, die behaupten, sie wären authentisch,
sind es eigentlich gar nicht?
Für meinen Geschmack wird das Wort derzeit überstrapaziert. Zu meinem Selbstverständnis gehört jedenfalls, dass ich Journalistin bin und, wenn ich es zeitlich schaffe, immer mal wieder Geschichten selber schreibe, die mir am Herzen liegen, zum Beispiel Interviews oder Reisegeschichten.
Wo waren Sie zuletzt?
Das war eine kulinarische Reise durch Vietnam. Davor ein Familientrekking durch die Wüste mit Kamelen. Wir empfehlen Leuten nicht irgendwas, was wir irgendwo abgeschrieben haben. Sondern Dinge, die wir selber erleben. Und daran beteilige ich mich gerne.
Ist es manchmal schwer in so einem Job, der einen oder anderen
Verlockung aus der Industrie zu widerstehen?
Es gibt gar keine großen Verlockungen. Außerdem haben wir bei Burda strenge Compliance-Regelungen. Wenn wir zum Beispiel zu einer Recherchereise oder einem Autotest eingeladen werden, müssen wir es intern angeben und schreiben es auch unter den entsprechenden Artikel.
Sie sind aber nicht nur eine schreibende Reisende, sondern vor allem eine reisende Schreiberin. Sie haben auch eine längere Vergangenheit als Tageszeitungsjournalistin. Warum sind Sie nicht dabei geblieben?
Mein Traum war es früher, das Ressort „Modernes Leben“ in der „Zeit“ zu leiten. Ich habe Germanistik und Kunstgeschichte studiert und dann beim „Tagesspiegel“ volontiert. Allerdings habe ich dann bald gemerkt, dass das Tagesgeschäft mich doch nicht so reizt, und bin relativ schnell bei der Wochenendbeilage gelandet.
Weil mir das Konzeptionelle und Optische einfach mehr liegt. Letztlich war ich nach dem Volontariat nur ein Jahr lang Redakteurin in der Hauptstadt.
Nun sind Sie viele Jahre in der Zeitschriftenredaktion tätig. Welche Dinge können Sie nicht mehr sehen?
Wenn das Thema Glück vorkommt, dann will ich zum Beispiel keine „Happy Jumping Germans“ mehr sehen. Und auch keine Frauen mit bunten Luftballons. Oder beim Thema Nagellack ist die Überschrift „Good Lack“ einfach nach dem 100. Mal ein No-Go geworden. Aktuell haben wir gerade „Get lacky“ drübergeschrieben … (lacht).

Ist der Bereich Frauenzeitschriften ein Beruf im Printgeschäft, in dem man noch Spaß haben kann?
Ja, weil man auch immer noch viele kreative Dinge erfinden kann. Wir haben zuletzt einiges auf die Beine gestellt: zum Beispiel die Donna Days, die gerade zum ersten Mal in Lech in einem Hotel stattfanden. Das ist ein Workshop-Format für unsere Leserinnen mit Coachings in den Bereichen Ausstrahlung, Mode, Beauty. Da
war ich mit dabei, es hat großen Spaß gemacht, mit den Leserinnen mal so intensiv ins Gespräch zu kommen. Was wir im Herbst auch Neues machen, ist die „Donna Box“, eine Beauty-Box für über 40-Jährige mit neuen Kosmetikartikeln, die man über Donna regelmäßig bestellen kann. Auch unsere neue Kunst-Edition
ist ein wichtiges Projekt.
Das klingt jedenfalls nicht nach dieser allgemeinen Printkrisenstimmung, die sich über das Verlagsgeschäft gelegt hat.
Wir kommen aus goldenen Zeiten. Es ist halt leichter, wenn man erst auf dem Fußboden geschlafen hat und dann ins Bett umzieht. Ich hab nach wie vor einen tollen Job, aber er ist schwieriger und härter geworden. Wir müssen auch bei „Donna“ kostenbewusst arbeiten und leben insgesamt bescheidener. Die Frage,ob man sich das Taxi teilen kann, ist selbstverständlich geworden. Ich persönlich fahre eh am liebsten Fahrrad – so wie heute.
Sie sind passionierte Radfahrerin?
Ja, erstens bewege ich mich gerne. Zweitens finde ich es sehr praktisch. Da kann ich sehr gut entspannen.

 


Könnten Sie sich vorstellen, Jury-Mitglied bei „Germany’s Next Topmodel“ zu sein?
So etwas in der Art mach ich ja schon, denn es gibt einen „Donna“-Model-Contest. Eben mit Frauen 40 plus und die Gewinnerin kommt wie bei „GNTM“ auf das Heft-Cover. Im TV läuft das aber nicht.
Ist Bewegtbild ein Thema für Sie?
Klar arbeiten wir bei „Donna“ digital auch viel mit Videos und obwohl ich mich persönlich nicht zu einer TV-Karriere berufen fühle, halte ich dafür natürlich auch meinen Kopf in die Kamera.
Wann kommt „Donna“ in das Netzwerk des neuen Dienstes Blendle?
Natürlich beobachten wir das interessiert. Aber für Frauenzeitschriften ist das meiner Einschätzung nach kein extrem Erfolg versprechendes Konzept, weil Magazine wie „Donna“ durchkomponierte Welten schaffen, in die man eintauchen will.
Wenn wir Sie in Anspielung auf Ihr anderes Buch gleich zum Start gefragt hätten: „Sind Sie gut im Bett?“ – wie hätten Sie reagiert?
(lacht) Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass Sie mich das als Erstes fragen. Als damals das Buch rauskam, bin ich beim Party-Smalltalk andauernd darauf angesprochen worden. Insofern kein Problem. Meine Antwort auf diese Frage: Das müssen Sie meinen Mann fragen.

Foto: Alexander von Spreti