The show must (not) go on

 

Erinnern Sie sich noch an das Sommerloch? Also früher, als es eine sommerlich-medial-nachrichtliche Auszeit gab. Als Politiker, Sportler und Wirtschafts-Wichtigtuer in Urlaub fuhren und das Weltgeschehen zum Stillstand kam. Man begab sich selbst auf Reisen und stellte bei seiner Rückkehr belustigt fest, dass immer noch die gleichen Themen die Nachrichten beherrschten – nämlich gar keine. Es war einfach nichts geschehen.

Sie erinnern sich bestimmt an Kaiman Sammy im Baggersee? Oder an den umgestürzten Blumenkübel. An Yvonne, die Kuh. An Bruno, den Problembären. Apropos Bären: Helmut Kohl am Wolfgangsee. Natürlich. Sie alle haben sich tief in unsere Erinnerungen eingebrannt.

Die daheimgebliebenen Redakteure bemühten sich nach Kräften, ihre Seiten und Zeiten mit allerlei lustigem Trash zu füllen. Denn: The show must go on. Die Zeitung musste weiter erscheinen. Auch Peter Klöppel musste vor dem Bildschirm irgendeinen Unfug von sich geben.

Plötzlich ist alles anders. Nachdem zuerst der Sommer ausfiel, fiel ihm auch das Sommerloch zum Opfer. Ein Brennpunkt jagt den nächsten: Brexit, Nizza, Türkei, Würzburg, Trump, München. Die Nachrichtenflut ebbt nicht ab. Wir kommen nicht einmal mehr zum Luft holen. Im Gegenteil: Wir sind, gänzlich ohne Mithilfe von Helene Fischer, atemlos. Vorbei die Zeiten, in denen man abends einfach beruhigt ins Bett ging. 2016 bleiben wir an den Empfangsgeräten. Denn bestimmt passiert gleich noch etwas Ungeheuerliches.

So kann es unmöglich weitergehen. Weil man uns dieses Jahr so herz- und gnadenlos unser geliebtes Sommerloch nahm, fordere ich mit Nachdruck ein sofortiges Herbstloch. Und zwar auf Rezept. Für alle. Ruhe jetzt!