Am vergangenen Freitag starb der Journalist Udo Ulfkotte. Muss man nicht wissen, musste man auch nicht kennen – zumindest, wenn man sich außerhalb der multimedialen Gut-Böse-Filter-Hass-Blase bewegt. Und dort, mal ganz ehrlich, atmet es sich viel freier als im selbstreferenziellen Verschwörungsmief, der von links nach rechts, oben nach unten oder umgekehrt und andersrum zieht.

Udo Ulfkotte also weilt jetzt ganz plötzlich nicht mehr auf diesem Planeten (vielleicht irgendwo als Biene, Opossum oder Kampfdackel, aber diese Wahrheit wird uns lebenden Sterblichen wohl ewig verwährt bleiben). Das ist schlimm, vor allem für seine Familie. Doch auch jene dürfen kurz in sich gehen, für die jedes Menschenleben auf diesem Planeten angeblich gleich viel wert ist, gleich viel Wert hat. Egal, was derjenige wählt, was er denkt, was er sagt, welche Haut- oder Krawattenfarbe er hat(te).

Keine Ahnung, ob ich Ulfkotte gemocht, wenn ich ihn persönlich gekannt hätte. Spielt auch keine Rolle. Ich wage aber zu behaupten: Darüber gefreut, gelacht und darauf getrunken, dass er gestorben ist, hätte ich nicht. Und soviel Feingefühl vermissen lassen, eine eventuell doch vorhandene Freude darüber öffentlich zu machen, erst recht nicht. Die „Bento.de“-Autorin Hatice Ince hat das als @HatinJuce auf Twitter indes getan:

Ince-Screenshot
Das war dumm. Saudumm. Ja, das war sogar richtig Scheiße. Via Twitter wollte ich von den „Bento.de“-Redaktionsleitern Ole Reißmann und Frauke Lüpke-Narberhaus daraufhin wissen, ob sie es gut finden, wenn ihre Autorin über den Tod eines Journalisten (= Menschen) lacht. Es hat etwas gedauert, aber von Reißmann kam letztlich eine Reaktion:

 

 

Das war zwar rhetorisch nicht ungeschickt, aber leider nur ein Zitat aus der selbstgefälligen, relativierenden Rechtfertigungs-„Entschuldigung“ von Ince auf deren Blog. Also nochmal Nachfrage meinerseits und nochmal Reaktion von Reißmann:

 

 

Wunderbar, also nicht hip! Hätten wir das geklärt, Herr Kollege. Grüße zurück – sogar freundliche. Dann sagen Sie das doch sicher auch Frau Ince, die beim Kurznachrichtendienst ja so ziemlich alle geblockt hat, die ihr das gern persönlich gesagt hätten. Denn solche Tendenzen sollten in einem Tendenzbetrieb wie einer Redaktion ebenso ausbleiben wie andere Menschenleben-verachtende Tendenzen. Apropos persönlich: Die Art und Weise, wie Ince nach ihren unüberlegten (?) und alkoholisierten Aussagen verbal zum Teil angegangen wurde, ist mindestens achtundachtzig mal so niveaulos und zu verurteilen wie der getwitterte Stein des Anstoßes selbst.

So, und jetzt bitte Schluss mit dem Gekeile von allen Seiten! Wer die Welt nur in den Kategorien Rechts, Links, Oben und Unten betrachtet, wird sie kein Stückchen besser machen. Und das wollen wir doch alle, oder? Na, siehste!

Bullshitfreie Woche wünscht „Clap“-Herausgeber …

Bulo

PS: Falls nach diesen Zeilen jemand oberflächlich recherchieren sollte – dieses Buch hier ist schon älter und meinem ebenfalls plötzlich verstorbenen Freund Udo Precklein gewidmet.