Hass ist so was von gestern. Die Zukunft gehört der Liebe. Michael Kneissler schreibt regelmäßig über Menschen und Medien, die unsere Zuneigung verdienen. Heute: Der „Playboy“-Chefredakteur Florian Boitin.

Ich glaube, man kann sagen, dass Playboy-Chef Florian Boitin im Moment einen richtigen Lauf hat. Als die verklemmten Amis plötzlich ihren Lesern nackte Tatsachen verweigerten, blieb Boitin eisern beim klassischen Kerngeschäft des Blattes: Tits and Ass and Mumu (gern mit Weichzeichner). Reumütig haben die US-Playboys unterdessen erkannt, dass der Florian absolutly right ist und zeigen jetzt auch wieder alles, was Männern angeblich Spaß macht.

Obwohl, mit dem Spaß hat es der Boitin nicht so. Kürzlich kegelte er das langjährige Hedonisten-Motto „Alles was Männern Spaß macht“ vom Cover und schrieb das weichgespülte „Alles was Männer lieben“ drauf. Das entspricht Boitin auch eher. Er ist kein machomäßiger Kraftmeier, sondern eher der milde Frauenversteher. Wenn er, was notgedrungen häufiger passiert, neben mangelhaft bekleideten Bunnies possieren muss, wirkt er stets leicht fehlbesetzt und hormonell gebremst. Er ist nicht der unbedingte Häschentyp und Gas gibt er erst, wenn die Scheinwerfer aus sind.

Dann allerdings zieht er an allen anderen Chefredakteuren bei Burda vorbei und ist als einziger einigermaßen sichtbar. Wie heißen nochmal die Redaktionsvorsteher bei „Bunte“ und „Focus“? Eben! Wenn man bei Burda überhaupt noch jemanden kennt, jetzt wo Markwort und Riekel weg sind, dann sind es Big Boss Burda himself, Philipp „Gekko“ Welte und – jawoll – Boitin.

Gerade erst hat er sich wieder ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt und der „Süddeutschen Zeitung“ via Facebook schlechte Recherche und die Verwendung „alternativer Fakten“ vorgeworfen. Es ging irgendwie darum, ob Marilyn Monroe und Kate Moss früher mal nackt im oder auf dem Playboy zu sehen waren oder vielleicht auch nicht. Kein wirklich weltbewegendes Thema. Und nicht wirklich ein Grund, Streit vom Zaun zu brechen. Aber egal: Boitin hat es genutzt, um Flagge zu zeigen.

Und weil der Florian ein Stratege ist und nichts einfach so aus Jux und Dollerei tut, will er bestimmt, dass jemand seine Flagge sieht. Interessenten bitte melden!

Disclaimer: Michael Kneissler schreibt seit Jahren auch für den „Playboy“.

 

 

Foto: Alexander von Spreti