„Staubsauger-Manager wird ProSiebenSat.1-Chef“, schrieb Spiegel Online. „Neuer ProSieben-Chef kommt von einer Staubsauger-Firma“, teilte Sueddeutsche.de aus und Burdas Chip.de titelte sogar „Staubsauger-Vertreter wird ProSieben-Chef“. Das veranlasste den nunmehr Ex-Boss Thomas Ebeling zu einer kleinen Revanche-Aktion bei seiner Bilanz-Pressekonferenz. Am Tag nach der Bekanntgabe der Inthronisierung von Dyson-Manager Max Conze gab er den betreffenden Journalisten einfach einen Staubsauger mit auf den Weg. Das war nicht nur eine gelungene Revanche, sondern eigentlich sogar ziemlich cool. Wer jetzt nach Compliance-Regeln ruft, der weiß nun gar nicht, ob ein anwesender Journalist das technisch ausgereifte Gerät überhaupt mit nach Hause genommen hat.

Wäre dieser Thomas Ebeling doch einfach immer in so einer entspannt guten Form unterwegs gewesen. Man hätte ihm nur schwer seine Sparpakete, seinen schwierigen Führungsstil sowie seine drei Büros in Unterföhring übel nehmen können. Er ist in „Ufö“ Geschichte (obwohl ihm zuletzt noch AR-Ambitionen nachgesagt wurden) und seine Abschiedsvorstellung bei der Bilanz-PK, eine seiner wenigen öffentlichen Auftritte während seiner Amtszeit, geriet weit weniger spektakulär, als man das im Vorfeld vielleicht hätte annehmen können.

Keine allzu scharfen Fragen, keine Gerede über das womöglich überhöhte Gewicht einzelner ProSieben-Zuschauer und vor allem – keine Personaldebatten mehr. Diese verstummten ja bereits ein wenig, als die interne Nachfolgelösung Conrad Albert, eine gelungene Finte, ins Spiel gebracht worden war. Und nachdem nun mit Conze und nicht mit Albert ein Branchenfremder den zumeist erfolgreichen Medienkonzern künftig leiten darf, scheint alsbald in Unterföhring alles wieder seinen gewohnten Gang zu gehen.

Bei den am Mittwoch Abend gelaufenen Best Brands stöhnte so mancher angehende ProSieben-Medienkooperationspartner darüber. Allerdings verhallte das recht schnell, weil ohnehin kaum ein Top-Manager aus der Gutenbergstraße auf das eigene Event (wegen der anstehenden PK?) kommen durfte. So hielt dort wenigstens Seven One Media-Chef Thomas Wagner die Stellung und konnte sich den ganzen Kram fast alleine anhören. Nach 15 Jahren Best Brands, zusammen mit Serviceplan, eine erstaunliche Entwicklung.

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Und noch etwas fiel auf: im vergangenen Jahr waren die ProSiebenSat.1-Top-Leute Sabine Eckhardt und Christof Wahl bei der Bilanz-PK noch auf dem Podium. Dieses Mal saßen sie nicht als Akteure, sondern als Zuschauer in der ersten Reihe. Man kann in dieses Szenario alles hinein interpretieren – oder auch gar nichts. Auf jeden Fall war die Sitzverteilung so geregelt.

Text + Fotos: Daniel Häuser