Cambridge Analytica hat also Daten im großen Stil von Facebook gezapft und diese eingesetzt für manipulative Zwecke. Die Empörung ist groß und macht sich Luft in den üblichen Parolen: „Wie kann man nur?“, „Es darf nicht sein, dass…“, „So geht das nicht mehr weiter…“… Bemerkenswert ist, dass sich gefühlte 90% der Entrüstung auf das Unternehmen Facebook entladen und die eigentlichen Straftäter fast ungeschoren davon kommen in der öffentlichen Diskussion. Es scheint so, als ginge es gar nicht um eine juristisch sachliche Bewertung des Vorfalls, sondern um Ablassen angestauter Aggression gegen Facebook. Man hat ja immer schon gewusst, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen zu geht. Und jetzt haben wir das Schlamassel. 
 
Facebook-Chef Zuckerberg hat das Krisenmanagement an sich gezogen und – wenn auch leicht verzögert, weil er sich erstmal ins Thema einlesen musste –  Stellung bezogen. Er hat Fehler seitens Facebook eingeräumt und öffentlich und hochheilig versprochen, Facebook werde mit Hochdruck daran arbeiten, dass nun alles besser werde mit dem Datenschutz. Trotzdem will die neue Bundesjustizministerin Barley Facebook sicherheitshalber vorladen, um… ja, um was eigentlich zu erreichen? Vielleicht um von Zuckerbergs Freunden persönlich mit Handauflegen bestätigt zu bekommen, dass diese Fehler nicht mehr vorkommen dürfen, werden, sollen. Vielleicht hat sie davor noch 2 Minuten Zeit für meinen  offenen Brief an ihren Vorgänger Heiko Maas in Sachen Datenschutz von Ende 2016. Dort wäre zu lesen, dass deutsche Politik und Behörden keinen (Datenschutz-)rechtlichen Zugriff haben auf US Unternehmen wie Facebook. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 
 
Deutscher Datenschutz ist weiterhin ein Papiertiger, der Unternehmen wie Facebook nicht einschüchtern oder gar zähmen kann. Dabei wäre das eine wichtige und dringliche Aufgabe. Vielleicht nehmen Frau Barley und überhaupt die gesamte Groko und überhaupt die gesamte Gesellschaft und überhaupt jeder Einzelne die Themen der Digitalisierung – wie Datenschutz – mal ernsthaft an. Aktuell ist die Rollenverteilung eher so: Bürger tummeln sich unbeschwert und ungeschützt auf der schönen digitalen Spielwiese. Viele Unternehmer und Manager schieben Digitalisierung auf die lange Bank, weil sie keine Lust auf diesen Technikkram haben (und psst: auch ein bisschen Angst sich zu blamieren). Behörden rüsten schön langsam auf Computer um. Politiker wollen erstmal Glasfaserkabel verlegen (was immer das auch ist – Glas klingt gut). Und Medien wie „Die Zeit“ irritieren mit komischen Fragen wie: „Kann man Facebook noch vertrauen?“ 
 
Uns bleibt ja gar nicht anderes übrig, als auf Zuckerbergs Versprechen zu vertrauen. Das geht sicher nicht gut. Vielleicht wird Putin der nächste US Präsident. An Trump hatte ja auch keiner geglaubt.
 
Thomas Bily, der Vorstand der Social Media-Plattform Wize.Life, hat für Clap Online wieder in die Tasten gegriffen. Als ehemaliger Manager in der deutschen Printmedienlandschaft (Burda, Gruner + Jahr) robbt er sich durch den digitalen Wandel und stolpert manchmal über Seltsamkeiten in seiner alten und neuen Branche. Gerade ist Bily zwar in Uganda im Urlaub, wenn Sie ihn aber trotzdem erreichen wollen: t.bily@wizelife.de