Ablösegerüchte und gleichzeitig ein umfassender Relaunch für das Magazin „Der Spiegel“. Wie passt das zusammen? Eigentlich gar nicht. Mittlerweile gibt es ein Statement der Spiegel-Kommunikation hinsichtlich der vom Abendblatt heute ins Spiel gebrachten Demission von Klaus Brinkbäumer: „Sondierungsgespräche werden nicht geführt, geschweige denn gibt es einen Beschluss zur Ablösung des Chefredakteurs Klaus Brinkbäumer“. Doch der geneigte Medienbeobachter erinnert sich: Auch die Ablösung von Chefredakteur Wolfgang Büchner ging alles andere als glatt. Schwierige personelle Konstellationen in Zusammenhang mit der Mitarbeiter KG waren in der Vergangenheit eher an der Tagesordnung.

Würde Brinkbäumer tatsächlich gehen, dann wäre das in kurzer Zeit gleich der zweite überraschende Abgang in der mittlerweile sehr schnelllebigen Printbranche. Wär hätte vor kurzem noch gedacht, dass die Ära Gabor Steingart bei der Handelsblatt Media Group so schnell vorbei sein könnte? Und nun auch Brinkbäumer, der im Grunde bis jetzt sattelfest schien. Fakt ist: der Norddeutsche hat das Magazin während seiner Amtszeit vergleichweise geräuscharm und grundsätzlich skandalfrei geführt. In lebhafter Erinnerung sind aber die vielen Titel zu Donald Trump, die mal mehr, mal weniger angebracht waren. Und immer wieder für Diskussionsstoff sorgten.

Nun hat Brinkbäumer vor kurzem erst ein Buch mit dem Titel „Nachruf auf Amerika“ geschrieben. Eine versteckte Liebeserklärung an die USA. Warum sollte er dorthin nicht zurückkehren, um als Auslandsreporter weiterzuarbeiten? Sein Ruf ist tadellos, es ist nicht auzuschließen, dass er auch in neuer Konstellation beim „Spiegel“ bleibt. Aber noch kämpft er ganz offensichtlich um seinen Job in Hamburg. Wozu sollte es sonst unter seiner Ägide jetzt einen Relaunch geben? (dh)

Foto: Alexander von Spreti