Knapp zehn Jahre ist es her, als Moritz von Laffert als neuer CEO zu Condé Nast kam. Es sollte eine Zäsur für den Verlag werden. Dass von Laffert die Geschäfte leiser führt als sein Vorgänger, Print-Zampano Bernd Runge, war von vornherein klar. Doch die beiden Amtszeiten konnten unterschiedlicher kaum ausfallen. Während der umtriebige Runge viel Geld ausgeben konnte und durfte – man denke nur an den Launch von „Vanity Fair“ und die Erfindung von „Myself“ – musste von Laffert jahrelang den Sparminister im Verlag geben.

Der Deutschland-Chef zentralisierte die Vermarktung und stellte die Printausgabe des Tech-Magazins „Wired“ ein. Auch die Schlussredaktionen fiel dem Rotstift zum Opfer. Zu kämpfen hatte von Laffert, ebenso wie andere Verlage im Frauenzeitschriftensegement auch, mit Auflagenverlusten bei den Flaggschiffen „Vogue“ und „Glamour“. Die Zeitschrift „Myself“ wurde als deutsche Einzelmarke folgerichtig an die Funke Mediengruppe verkauft. Die Condé Nast- Manufaktur musste in seiner Amtszeit die Aufträge für das „Mercedes Magazin“ an die Looping Group und das Douglas Magazin an Storyboard abgeben. Außerdem ist der Verlag vor wenigen Wochen an einen neuen Standort gezogen, von der teuren Karlstraße an den Oskar-von-Miller-Ring.

Für eine Neuausrichtung beginnt nun die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Womöglich wird Condé Nast dabei digitaler: da die Gesellschaft laut überein stimmenden Medienberichten unternehmerisch stärker von London aus gesteuert werden soll, rückt hier der deutsche Medienmanager Wolfgang Blau ins Blickfeld. Er ist seit Anfang 2017 in England Auslandschef von Condé Nast, zuvor war er bereits der internationale Digitalchef des Verlags und hat jahrelang die Geschicke von Zeit Online geführt. Nicht auszuschließen ist also, dass er künftig noch stärker als bislang auf die deutsche Dependance einwirken wird. (dh)

 

Foto: Condé Nast Verlag