In diesen Tagen ist die deutsche Medienlandschaft durch zwei Verkündungen bereichert worden – das hierzulande nicht so bekannte amerikanische Unternehmen Comcast kauft Sky PLc und damit auch Sky Deutschland, für insgesamt über schlappe 40 Milliarden Dollar. Und der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm propagiert eine europäische Plattform zu bauen um so einen Wettbewerber gegen die amerikanischen Plattformbetreiber zu kreieren. Wie passen diese beiden Meldungen zusammen?

Als Startkapital sollen dem ARD-Vorsitzenden 50 Millionen Euro genug sein, und moderiert werden soll das Ganze von der Politik. Wer die 50 Millionen letztlich stiften soll, wurde mir zumindest noch nicht klar, aber etwas anderes wieder mal. Als ich Universal in 2006 verließ, war das Unternehmen in den acht Jahren meines Wirkens dort vier mal gekauft und wieder verkauft worden.

Der Käufer, der nach meiner Zeit zuschlug, war Comcast. Auf deutsch, die Sender 13th Street oder SciFi gehörten damit ebenso zu Comcast wie das ganze Hollywood-Studio Universal Pictures und später Dreamworks. Ich wußte bis 2006 nicht wirklich, wer Comcast ist oder was das Unternehmen tut, heute gilt es je nach Stand entweder als größtes Medienunternehmen der Welt, obwohl man es ebenso als Kabelnetzbetreiber bezeichnen könnte. Communication und Broadcast eben, daraus setzt sich ja auch der Unternehmensname zusammen.

Wenn man jetzt einfach mal vergleicht und skaliert, dann versteht man umso besser, wie sehr der europäischen Medienlandschaft und seinen lokalen Playern hierzulande das grundlegende Verständnis dafür fehlt. Sky hieß mal Premiere und war von der untergegangenen KirchGruppe und der Bertelsmann AG gegründet und betrieben worden. Seit 2010 spielten hier deutsche oder europäische Player keine Rolle mehr. In der Zwischenzeit hat sich in Deutschland nicht nur Google und Facebook breit gemacht, sondern neben Sky Deutschland auch Netflix, Amazon Prime und DAZN. Alles amerikanische Unternehmen, die sich selbst kreiert haben. Und natürlich veritable Big Player, die täglich mit den ganz großen Dollarscheinen hantieren.

Mit 50 Millionen Euro wird man bei deren Skalierung gar nichts mehr ausrichten, auch nicht mit 500 Millionen. Jenseits dessen, ob die Politik so etwas gut oder schlecht moderieren würde.

Seit Juli 2018 ist Wolfram Winter Vorstand bei der Kommunikationsberatung Heller & Partner. Der bekannte Medienmanager schreibt regelmäßig für unseren Online-Dienst über aktuelle Marktentwicklungen.

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