Diese Woche konnte man des öfteren wirklich platt sein – Anke Schäferkordt verschwindet bis Jahresende aus dem Bertelsmann-Reich und dem von ihr so intensiv geprägten RTL. Egal warum das so ist, mir fällt es im Moment schwer sich vorzustellen, dass sie dort nicht mehr sein wird. Und man darf vermuten, dass es vielen anderen in der Medienbranche ebenso geht.

Gleichzeitig wurde verkündet, dass RTL sich voraussichtlich nicht an der Streamingplattform 7TV beteiligen wird. Das ist jenes JV zwischen ProSiebenSat 1 und Discovery Communication, bei dem immerhin das ZDF, Springer und Sport 1 inzwischen auch mit an Bord sind. Stattdessen würde man sich jetzt auf den Ausbau des hauseigenen Video-on-Demand Dienstes TV Now konzentrieren.

Und Vodafone verkündete, dass GigaTV jetzt neu ist und die größte Mediatheken-Auswahl in Deutschland anbietet. Man könnte annehmen, hier ist eine regelrechte Plattformeritis ausgebrochen. Denn hinzu kommt noch die erst vor wenigen Wochen verkündete Magenta TV-Plattform der Deutschen Telekom. Und seit neuestem wird Netflix über die Sky-Plattform Q ebenso angeboten wie Sky-On Demand.

Addiert man die beiden Mediatheken von ARD und ZDF, und natürlich Netflix und Amazon Prime, und DAZN, dann gibt es inzwischen über zehn Plattformen in Deutschland die als Stand-Alone oder Kombi, mit bezahlten und/oder frei verfügbaren Inhalten auf uns losgelassen worden sind. Das erstaunliche daran ist, wieso das so lange gedauert hat.

Als Sky mit Sky Go in 2011 loslegte, gab es viel Skepsis, manche Begeisterung und bei jeder technischen Panne einen Aufstand, als ob das Abendland untergegangen wäre. Drei Jahre später war Netflix hier, im gleichen Jahr 2014 ämderte Amazon sein leicht mißverständliches Lovefilm in Prime Instant Video um. Diese drei Platzhirsche, allesamt mit amerikanischen Gesellschaftern versorgt, haben inzwischen über zehn Millionen Kunden die offensichtlich gerne zahlen.

Ich bin gespannt, wann diese Gemengelage zu Übernahmen führt. Oder wieviele Plattformen (á la Watchever) wieder verschwinden werden, oder aufgehen werden. Also – wir werden sehen, ob die Personalie Anke Schäferkordt etwas zu tun haben wird. Und ob sie sich vielleicht sogar in einem solchen Konsortium wiederfinden wird.

Wolfram Winter ist Kommunikationsexperte und arbeitet seit vielen Jahren in Managementpositionen bei großen Medienunternehmen. Er schreibt regelmäßig für unseren Online-Dienst über aktuelle Marktentwicklungen.