Wer von uns erinnert sich nicht an die Fahrschule. Jeder hat mindestens eine lustige Anekdote parat, wenn die Sprache darauf kommt. Doch mit dieser einschneidenden Episode aus unserem spätpubertären Leben ist es für allemal vorbei. Denn das autonome Fahren macht die Fahrschule überflüssig.

Das autonome, self-driving und mit allem connected Car ist keine Zukunftsvision, sondern schon bald Realität. Doch die meisten Features, mit denen unsere Autos schon heute ausgestattet sind, braucht kein Mensch. Gut zu wissen, dass zwei Drittel der heutigen Connected Car-Fahrer sich nicht sicher sind, ob sie diese Dienste wiederkaufen würden. Das connected Auto der Zukunft aber, das wird Wi-Fi und IoT haben, schickt autonom alle Daten an Polizei und Versicherung, wird spielend nebenbei Bypass-OPs durchführen, kann mit Leichtigkeit gehackt werden und bleibt bockig liegen, wenn der Strom ausfällt.

Das autonome Auto steigert die Effizienz, sucht sich seinen Parkplatz selbst und vermeidet Staus und Unfälle. Angeblich. In Wirklichkeit steigt der Verkehr nämlich an, weil Robotaxis bequemer sind als die kundenunfreundlichen Eurowings und Deutsche Bahn. Außerdem geht McDoof pleite, ebenso die NH-Hotels, weil wir unterwegs aus der digitalen Tupperdose essen – und schlafen. Der Chef kommt schnell auf die geniale Idee, seine Mitarbeiter über Nacht von München nach Hamburg kutschieren zu lassen und spart sich die Hotelkosten.

Das klingt nervig. Zumal der eigentliche Spaß am Autofahren völlig dahin ist: Das Jagen des Asi-Fahrers in seinem Angeber-BMW vor einem in der linken Spur bei 210 ist passé. Die Liebesnacht mit der hübschen Kollegin womöglich auch. Denn unser Auto ist ja connected. Jeder weiß, wo wir sind und was wir gerade treiben. Nicht nur der Chef, sondern auch die Gattin, die sich daheim mit dem Nachwuchs rumplagt.

Andererseits haben wir noch mehr Zeit zum Arbeiten. Aus einer 60-Stunden-Woche wird dank Connected Car fix und automatisch eine 80-Stunden-Woche. Journalisten haben endlich Zeit, die geforderten drei Quellen zu recherchieren, bevor sie Blödsinn produzieren. Konzeptioner Zeit für eine Idee, die nicht wie abgestandener Werbedurchfall aussieht. Marketingschefs Zeit zu überlegen, wozu ihre Marke überhaupt gut ist. Und Mediaplaner Zeit für eine Strategie, bevor der Einkaufsalgorithmus alle Pläne programmatisch gleichbügelt.

Der Begriff „connected“ ist allerdings schlecht konnotiert. Denn seit Facebook‘s „Connect the World“ zu einer werbefinanzierten, menschenverachtenden Überwachungsmaschinerie mutierte, vor der uns die Architekten des Webs selbst aufs Heftigste warnen, müssen wir dringend für das connected Car einen anderen Namen finden.

Ich bin ja für Bums-Karre. Universitätsprofessoren haben sich schon längst Gedanken darüber gemacht, was wir mit der vielen Zeit anfangen werden, die uns das selbstfahrende Auto beschert. Das Ergebnis: Seit dem Aufkommen des Automobils hat Sex im Auto eine wichtige und bestens dokumentierte Geschichte. Das autonome Auto wird, so eine Studie der University of Surrey, zu einem Sex-Boom führen und auch die Prostitution ins Auto holen. Wir werden jede Fahrt dazu nutzen, unsere sexuellen Phantasien auszuleben. Ich wünsche angenehme Fahrt!

Foto: Alexander von Spreti