Nur ein weniger bekanntes Gesicht durfte gestern Abend auf die Bühne beim alljährlichen Pressegespräch im Springer-Headquarter. Es war Selma Stern, die künftig eine entscheidende Rolle bei der überraschenden Vorstellung des neuen Print-Titels „Politik Bild“ spielen wird. Doch wer ist Selma Stern? Der neue Shootingstar arbeitete bislang wenig auffällig im Medienkonzern. Immerhin war sie Vorstandsreferentin im Ressort New Media, was ihr sicher einen guten Draht zu etlichen Entscheidungsträgern verschafft haben dürfte.

Mit Journalismus hat die 32-Jährige bislang gar nicht so viel zu tun gehabt: vor Springer war sie ganz woanders, fast vier Jahre lang bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group als „Project Leader“. Insofern dürfte ihr analytisches Denken nicht fremd sein. Ihre Ausbildung genoss sie international, sie studierte an der bekannten Columbia University in New York und an der London School of Economics. Die exzellente internationale Erfahrung dürfte den Springer-Mannen sicherlich nicht entgangen sein. Immerhin aber gab es auch eine journalistische Erfahrung für die Karriere-Frau: für ein paar Monate war sie in der Redaktion der „Zeit“. Insofern ist Selma Stern also auch noch für ganz andere Aufgaben bei Springer gerüstet, selbst wenn es mit der „Politik Bild“ nicht klappen sollte.

Letzlich dürfte es vor allem aber ein Herzensprojekt von „Bild“-Politikchef Nikolaus Blome sein. Der Talkshow-Freund stellte den kommenden Hoffnungsträger mit Selma Stern zusammen auf der Bühne vor. Blome dürfte noch einige Blattmacher-Ambitionen bei Axel Springer haben, man erinnere sich an seinen Ausflug zum „Spiegel“ vor einigen Jahren. Sicherlich hat er noch stärker als Selma Stern das Konkurrenzumfeld im Blick, etwa die benachbarte „Cicero“-Redaktion. Allerdings hat er einen Vorteil, hausintern gibt es weniger Wettbewerber. Die „Fußball-Bild“ musste sich mit der „Sport Bild“-Konkurrenz auseinandersetzen und der üppigen täglichen Sportberichterstattung der „Bild“. Apropos „Bild“: Chefredakteur Julian Reichelt war auch beim Pressegespräch, hielt sich an diesem Abend und zum Thema „Politik Bild“ eher zurück.

Vorstandschef Mathias Döpfner, der sich auf offener Bühne ein kleines Wortgefecht mit seinem Vorstandskollegen Andreas Wiele lieferte, versuchte das Ganze nochmal einzuordnen. Das auzutesten sei legitim, gerade nach der Einstellung der „Fußball Bild“. Ihm gehe es grundsätzlich darum, starken Journalismus aus seinem Haus anzubieten, egal auf welchen Wegen: „Welche Rolle Print künftig spielt, werden wir sehen“, sagte Döpfner. Das Magazin-Geschäft sei aber stärker und widerstandsfähiger, als viele dachten.

Im Gesamtkontext dürfte bei Axel Springer die „Politik Bild“ allerdings dennoch nur eine untergeordnetete Rolle haben. Ein wenig Spielgeld ist bei den Hauptstädtern offensichtlich immer auch für ehrgeizige Printprojekte übrig. Die grundsätzliche Marschrichtung mit der Internationalisierung der wichtigen Online-Beteiligungen (etwa Immonet, Upday oder Business Insider) war aus den Vorträgen von Andreas Wiele, Jan Bayer oder Peter Würtenberger eindeutig herauszuhören. Die „Politik Bild“ sorgt auf jeden Fall für ein gutes Gewissen. (dh)

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Foto: dh, Axel Springer