Sie ist die jüngste „Stern“-Chefredakteurin, die es jemals gegeben hat und auch die erste Frau an der redaktionellen Spitze des Hamburger Magazins: Anna-Beeke Gretemeier, die ab Januar zusammen mit Florian Gless und Frank Thomsen die Geschicke des Hefts fortführen wird. Wir baten den langjährigen „Stern“-Kolumnisten und Kommunikationsexperten Frank Behrendt, der Anna-Beeke Gretemeier sehr gut kennt, uns ein paar unbekannte Seiten zu der neuen „Stern“-Chefredakteurin aufzuschreiben:

Als ich mein Buch „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ schrieb, das seinen Ursprung in einer Clap-Veröffentlichung hatte, gab es eine großartige Geschichte über mich im „Stern“. „Besser hat dich nie einer beschrieben“, sagt meine Mutter und die kennt mich seit 55 Jahren.

Verfasst hat sie Edelfeder Uli Hauser, Anna schätzt ihn auch. Philipp Jessen, damals Chefredakteur des erfolgreichen Online-Ablegers des Magazins, holte mich als wöchentliche „Stern“-Stimme an Bord. Als Philipp mit Kai Diekmann zu Storymachine rübermachte, folgte ihm im Oktober 2017 Anna als Chefredakteurin. Gerade mal ein knappes Jahr ist das jetzt her. Wahnsinn. Und jetzt fällt sie schon wieder die Treppe rauf. Mit 32. Als sie 1986 geboren wurde, trat ich meinen ersten Job an – als Jungredakteur bei Henkel. Zuvor hospitierte ich als Teil meiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule bei „Bild“ in Hamburg. Da war Anna auch, nach ihrem Besuch der Axel-Springer-Akademie hat sie als Print-Reporterin für „Bild“ gearbeitet.

„Danach schreckt dich nichts mehr“, hatte mir mein Lehrmeister Henner Fischer dort einst mit auf den Weg gegeben. Anna nahm nicht die typische Medien-Karriereleiter, sondern experimentierte erst einmal herum. Sie war Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), hat als Werbetexterin gewirkt und auch über ihre Reisen geschrieben. Start-up-Mitgründerin war sie auch mal: Mit einer Partnerin verkaufte sie individuelle Adventskalender. Funny.

Erst 2014 kam sie zum „Stern“ aber dann ging es ruckzuck bergauf. Als ich sie das erste Mal traf, war ich direkt begeistert. So klug, so smart, so interessiert, so auf den Punkt. Bei unserem zweiten Treffen trat ich als eine der „Stern“-Stimmen live in Hamburg auf. Mit Laura Karasek, Micky Beisenherz und Co. Es war großartig. Anna war vorher da, sprach mit uns, herzlich, nahbar, Mensch und Macherin. Sie beobachtete, analysierte. Eine Schnellcheckerin. Sie spürt Stories, denkt um die Ecke und neu. Sie trennt nicht zwischen Print und Online, sie verbindet. Sie kann mit Menschen, weil sie Herz hat. Sie wird in ihrem neuen Job Impulse setzen, nicht weil sie es muss, sondern weil sie so tickt. Nach vorne, mit einem Bein in der Zukunft, aber mit dem anderen fest auf dem Boden im Hier und Jetzt.

Irgendwann sah ich sie auf Instagram mit ihrem Papa. Ein Schwarz-Weiß-Foto, aber für mich leuchtete es in den schönsten Farben. Es zeigte alles, was die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ausmachen sollte: Vertrautheit. Glück. Liebe. Stolz. Anna ist etwas ganz besonderes und wenn meine Tante Sanna noch am Leben wäre würde sie mir garantiert für das neue Jahr ein Stern-Abo zu Weihnachten schenken. Allein schon, weil Anna da jetzt an der Spitze leuchtet.

Der entspannte Kommunikationsexperte Frank Behrendt ist seit 2016 bei der Agenturgruppe Serviceplan Senior Advisor in der Kölner Dependance.

Foto: G+J, Alexander von Spreti