Storymachine, die PR-Agentur von Kai Diekmann und Philipp Jessen, produziert bereits seit September vergangenen Jahres einen Podcast im Auftrag der Deutschen Bahn. In „tschuldigung, sitzt hier schon jemand?“ spricht Moderatorin Laura Karasek mit Prominenten auf einer „imaginären Zugfahrt“. Funktioniert das überhaupt? Wir sprachen mit Bahn-Unternehmenssprecher Jens-Oliver Voß über das Projekt.

Herr Voß, ihr Bahn-Corporate Podcast ist nun bereits seit etlichen Monaten auf Sendung. Oberstes Ziel, so war zu lesen, sei neue Reichweiten zu generieren sowie zentrale Themen der Bahn einem breiteren Publikum sichtbar zu machen. Welchem Ziel sind sie mit dem neuen Medium bereits näher gekommen?

Voß: Uns ging es darum, mit einem neuen Format Aufmerksamkeit für eines der größten IoT-Transformationsprojekte zu schaffen: der Digitalen Schiene Deutschland (DSD). Und das ist uns gelungen. Wir wollen das Schienennetz digitalisieren und den Zugbetrieb der Zukunft aufbauen. Ein ungeheurer Kraftakt, der rund 30 Milliarden Euro teuer sein wird. Das Projekt hat immense Effekte auf die Klimaschutzbilanz unseres Landes, denn ohne mehr Verkehr auf der Schiene, laufen wir Gefahr, unsere Klimaschutzziele in Deutschland zu verfehlen. Damit drohen Strafzahlungen an Brüssel. Und da das Netz der Bahn schon heute an vielen Stellen an seine Grenzen stößt, schaffen wir mit neuer Digitaltechnik zusätzliche Kapazitäten. Im Ergebnis können dann mehr Züge auf dem Netz unterwegs sein, und so das Wachstum im klimafreundlichen Schienenverkehr aufnehmen. Das Beste daran, wir müssen keine zusätzlichen Gleise bauen, sondern schaffen die 20 Prozent Kapazitätszuwachs allein durch einen Einsatz neuer Zukunfts-Technologien.    

Sind sie mit dem Feedback der Zuhörer bislang zufrieden? Haben Sie konkretere Abrufzahlen für uns?

Voß: Die Bahn gehört beim Thema Corporate-Podcast zu den absoluten Vorreitern. Wie haben eine fast 5-stellige Zahl von Stammhörern. Das hätte ich so nicht für möglich gehalten. Und je länger die Podcasts on air sind, desto höher steigen die Abrufzahlen. Dabei setzen wir auf organisches Wachstum und buchen keine Medialeistung hinzu. Uns ging es nämlich nicht um die blanke Reichweite, die erreichen wir in der Kampagne für die Digitale Schiene Deutschland über andere Formate, sondern um eine spitze Zielgruppe, die sich im Kern mit den großen digitalen  Transformationsprozessen beschäftigt. Dies haben wir erreicht.

Nun haben Sie seit Oktober vergangenen Jahres bereits etliche unterhaltsame Audio-Interviews eingespielt. Unter anderem mit Frank Behrendt, Tijen Onaran oder Richard Gutjahr. Zufall, dass das genau die heißen Namen in der Kommunikationsbranche sind?

Voß: Uns interessieren natürlich die Menschen, die die Digitalisierung prägen. Einerseits können wir als DB von deren Einschätzungen lernen und natürlich sind sie auch attraktive Impulsgeber für unsere Hörer. Ich finde die Auswahl die Gäste ausgesprochen gut und kann mich für deren Engagement auch nur herzlich bedanken. 

 

Können Sie uns verraten, welcher dieser Namen bislang am meisten gezogen hat?

Voß: Tatsächlich ist der erste Podcast mit Bahn-Vorstand Ronald Pofalla und Micky Beisenherz die meist gehörte Folge – das scheint eine von den Namen ausgesprochen interessante Mischung gewesen zu sein. Aber die Zahlen ändern sich, weil es immer wieder Wellen gibt, die für Downloads sorgen und ich bin mir sicher, dass im Lauf der Zeit auch die späteren Ausgaben im Ranking aufholen. 

Wenn ich „Bahn“ und „Podcast“ bei Google eingebe lande ich nicht direkt bei „Tschuldigung, sitzt hier schon jemand?“ Wollen Sie die Auffindbarkeit noch verbessern? Oder ist einfach die Auffindbarkeit bei Deezer und Spotify entscheidend?

Voß: Podcast sind das Medium der Zukunft – davon bin ich überzeugt. Und bei einem Thema wie der Bahn, das so viele Herzen bewegt, gibt es natürlich auch andere Podcast-Autoren, die nicht aus unserem Hause stammen. Das finde ich auch gut so. Unser Digitalpodcast ist aber leicht zu finden und wir bewerben ihn auch über unsere eigenen Kanäle, im ICE-Portal bespielweise. Wenn sie aber zusätzlich keinen attraktiven Auftritt bei den Streamingdiensten bieten und parallel auf Social-Media-Kanäle setzen würden, dann wäre das der falsche Weg.

Mit Laura Karasek haben Sie auch einen wohl klingenden Namen als Interviewerin engagiert. Hatten Sie Bedenken weil Sie beim Podcast-Format nicht zu sehen, sondern eigentlich nur zu hören ist?

Voß: Ich finde Laura Karasek nahezu eine Idealbesetzung. Sie führt sehr spannende Gespräche und darauf kommt es ja an. Als Juristin hat sie einen sehr dezidierten Blick auf die Dinge und kann dies gleichzeitig aber mit einer ordentlichen Portion Leichtigkeit verbinden.

 

Ideengeber ist ihre Agentur Storymachine, bei der unter anderem Kai Diekmann Geschäftsführer ist. Wird er auch eines Tages von Laura Karasek interviewt?

Voß: (lacht) Kai Diekmann ist natürlich generell ein spannender Gesprächspartner. Vielleicht machen wir es ja auch ganz anders, und Kai Diekmann und ich interviewen gemeinsam einmal Laura Karasek. 

Sie wollen ihre Hörer langfristig für das Format begeistern. Wieviel Geduld bringen Sie mit?

Voß: Wir diskutieren derzeit, wie wir auf lange Sicht mit dem Thema umgehen wollen und auch, ob wir unseren strategischen Approach verändern, oder das Format unverändert fortsetzen. Da ist es noch zu früh, über die Zukunft zu sprechen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Voß.

Fotos: Bernd Jaworek/ Deutsche Bahn