So richtig kommt „Der Spiegel“ nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Kaum ist die Relotius-Posse verklungen, kündigt sich ein neuer Skandal hinsichtlich der Berichterstattung beim Nachrichtenmagazin an. Jetzt soll es also auch noch Verstöße bei der Berichterstattung im Rahmen der bekannten „Football-Leaks“ gegeben haben. Es kann kein Dauerzustand sein, dass offensichtlich an der Ericusspitze die Recherche-Qualität immer wieder zu bemängeln ist.

Problematisch ist vor allem, dass es dieses Mal um einen noch bekannteren Journalisten geht. Claas Relotius war vor dem Skandal fast nur Medienexperten bekannt. Der mehrfach ausgezeichnete Rafael Buschmann ist von anderem Kaliber, er hat unter anderem sein Buch „Football-Leaks – die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“ bundesweit bekannt und zu einem Bestseller gemacht. Das macht die Sache äußerst pikant.

Im September erscheint wegen dem großen Erfolg die Fortsetzung vom Buschmann-Buch: „Football-Leaks 2“. Eine Katastrophe, wenn sich im Vorfeld der Veröffentlichung herausstellen sollte, das bei nicht unentscheidenden Details im gedruckten „Spiegel“ bei der Geschichte geschludert wurde. Es ist allerdings eher nicht davon auszugehen, dass an den in der „Hamburger Abendblatt“ beschriebenen Unregelmäßigkeiten bei der Berichterstattung nichts dran ist. Den Artikel des Kollegen Kai-Hinrich Renner gibt es übrigens hier.

Die Football-Leaks-Berichte liegen zeitlich gesehen außerhalb der Amtszeit des Chefredakteurs Steffen Klusmann. Auch wenn er nach wie vor zeitlich ziemlich ausgelastet sein sollte mit der Verschmelzung der Print- und Online-Redaktion – es schadet jetzt nicht in die Offensive zu gehen. In seiner Verantwortung liegt es nun, Moral und Einstellung der Truppe in den Griff zu kriegen. Nicht verkehrt wären endlich wieder neue und überraschende investigative Geschichten. Deshalb kaufen doch viele Leser den „Spiegel“ und können dann auch vielleicht auch mal verzeihen, wenn etwas schief gegangen ist. (Daniel Häuser)

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