Am 9. November jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. Überall gibt es Zeitung-Specials und allein in Berlin wird es in der nächsten Woche mehr als 200 Veranstaltungen geben. Einer der lesenswerteren medialen Beiträge zum Thema der Stunde aber ist bereits geschrieben worden – ausgerechnet von einem Österreicher. Der bekannte Journalist Kurt Molzer schrieb in seinem Buch „Schiller muss sterben“ über den ostdeutschen Journalismus in der Wendezeit. Vergleichsweise ideologiefrei. Wir sprachen mit ihm darüber auf den Medientagen.

Molzer ist ja sowas wie der Falco des deutschsprachigen Journalismus. Aber wie sich nun mit seinem Buch herausstellt, war es nicht in seiner Heimatstadt Wien, wo er alles tat, sondern in Sachsen-Anhalt. Genauer gesagt in Halle an der Saale. Dort baute er jahrelang als junger Redakteur in der Nachwendezeit die „Bild“-Redaktion auf, zusammen mit seinem damaligen Chef Friedrich Schiller. Es war wohl ein Knochenjob.

In seinem Buch geht es aber eben nicht nur um Springer und die „Bild“-Zeitung, sondern auch um das wilde Leben, dass sich in Halle Anfang der 90er Jahre abgespielt hat. Es dreht sich also gar nicht um die derzeit beliebte Frage, ob die DDR ein Unrechtstaat gewesen sei oder nicht. Sondern schlicht darum, wie sich der Alltag in der Redaktion und im Allgemeinen dort wirklich abgespielt hat. Und das kann man dem früheren Männermagazin-Macher Molzer auch genau so abnehmen.

Und so bewegt sich Molzer in seinem Buch zwischen den Fronten von Ost und West. Beschreibt den Parteibonzen, der sich bereichert hat ebenso wie den Hotelmanager, der nur aus Karrieregründen zur Stasi gegangen ist und ansonsten ein gutmütiger Kerl war. „Dr. T.“ wurde später wohl von der Hotelakademie Köln Jahre zum „Hotelmanager des Jahres  für außergewöhnliche Menschenführung“ geehrt.

Nicht so gut weg im Buch kommt übrigens der frühere „Bunte“-Chefredakteur und heutige „Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner. Er war wohl der Grund, warum Molzer überhaupt von München nach Halle abgewandert ist. Aber Wagner ließ sich Molzers Charakterisierung wohl gefallen, eine Gegendarstellung ist beim Verlag jedenfalls nicht eingetroffen.

Es ist ein ernsterer Molzer, den wir bei den Medientagen getroffen haben. Nach seiner jahrelangen journalistischen Auszeit war es das erste Interview, dass er gegeben hat. Hier ein kleiner Ausschnitt. (dh)

 

Foto/Video: Sebastian Wittmann/Medientage, Bulo