Kurz vor Jahresende sorgte der Journalist Richard Gutjahr nicht nur mit seinem Weggang vom Bayerischen Rundfunk für Aufmerksamkeit. In einem Offenen Brief warf er dem BR-Intendanten Ulrich Wilhelm vor, ihn in den vergangenen Jahren allein gelassen zu haben, als er immer wieder aus dem Netz von rechts angefeindet wurde. Im Vergleich zu WDR-Intendant Tom Buhrow, der in diesen Tagen wegen der Umweltsau-Satire schwer in Bedrängnis geriet und sich vor seinen Mitarbeitern öffentlich äußern musste, bleibt es um Wilhelm wegen des Gutjahr-Briefs vergleichsweise ruhig. 

Zwar ließ die Reaktion des Senders vor einer Woche nicht lange auf sich warten. „Der BR weist insbesondere den Vorwurf der Lüge und Täuschung durch den Intendanten strikt zurück“, erklärte ein Sprecher. Und auch der Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf äußerte sich und stellte sich hinter den Intendanten. Die Geschäftsleitung des Senders habe, wie er wisse, den Fall des mit Hass und Drohungen konfrontierten Journalisten „sehr ernst genommen“, wurde Wolf von der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert.

Doch von Intendant Wilhelm selbst kam bislang nichts. Keine Reaktion in den Medien und auch keine persönliche Meldung zu Gutjahr selbst. „Ich kenne auch nur das, was sie öffentlich geschrieben haben“, sagt Gutjahr zu Clap. Immerhin wäre aber eine Reaktion auf Gutjahrs indirekten Vorwurf, Wilhelm würde „nur auf Medienkongressen und in Interviews über Werte und Verantwortung reden“ und würde dies im operativen Geschäft nicht vorleben, mehr als wünschenswert gewesen. So bleiben die Aussagen unkommentiert im Raum stehen. Vielleicht kommt ja noch was, wenn die Buhrow-Affäre den Fall Gutjahr nicht mehr so stark überlagert. (dh)

 

Foto: BR, Richard Gutjahr