Ministerpräsident Söder war schon vorgestern Mittag verärgert hinsichtlich zu wenig Social Distance. Kein Wunder, dass nun die Ausgangsbeschränkungen für ganz Bayern ab heute Nacht kommen. Höchste Zeit für eine vorerst letzte Isar-Runde, um trabend Abschied zu nehmen vom öffentlichen Leben. Natürlich im Zickzack mit zwei Meter Abstand vom nächsten Lebewesen. 

Ich dachte beim Laufen an meine letzte Ausgangssperre im Internat. Die liegt zwar 40 Jahre zurück, aber ich hab noch Tricks in Erinnerung, wie man sie leichter überbrücken kann. Schwieriger wird es sicher für (noch) ältere Menschen, die Risiko-Zielgruppe sind, und für Bewohner von Pflegeheimen, die obendrein nicht mehr besucht werden dürfen. Und natürlich für Manager von Medienhäusern. 
 
Eine Ausgangssperre zöge manchem den Stecker der Daseinsberechtigung. Ein Leben ohne Lufthansa-Flüge gefährdet innerhalb weniger Wochen den Senator-Status. Der unvermittelt starke Anstieg der Bodenzeiten führt zu dauerhafter Konfrontation mit irdischen Tragödien. Meetings werden dank Social Distance immer weniger geeignet als Plattform für die tägliche Dosis der Selbstdarstellung. Und die geliebte Bühne der Events? Ein trauriger Trümmerhaufen! 
 
Die Umsätze bieten keinerlei Trost. Es hagelt Stornos. Wer investiert noch in TV-Werbung für Markenaufbau, wenn alle nur noch hamstern? Was soll Bierwerbung ohne Sport-Umfelder? Welchen Sinn macht Außenwerbung in leer gefegten Straßen? Was soll aus den Auflagen der Yellow-Press werden, wenn das ältere Publikum nicht mehr zum Kiosk darf? Weniger Pendler auf Deutschlands Straßen bedeuten weniger Ohren an Deutschlands Radiosendern. 
 
Ich wende an der Braunauer Brücke. Schluß mit der Jammerei. Krisen bergen Chancen. Unter der Wittelsbacher Brücke folgende Idee: Die „Freizeit Revue“ im Abo kommt wöchentlich mit einem 4-er Pack Klopapier ins Haus. Alternative für ökologische Gemüter: Der Abotitel wird ab sofort auf Toiletten-fähigem (also besserem) Papier gedruckt und entfärbt sich nach der Lesezeit (also nach 15 Minuten) von Yellow auf White. So wie bei Harry-Potter-Tinte. Übrigens: Es gab bei der letzten Krise eine Anweisung einer deutschen Chefredakteurin an ihr Team, Papier nur noch beidseitig zu bedrucken. 
 
Und Online? Ja, online brummt. Da kann man schön eine Eilmeldung nach der anderen rauspfeffern und das Volk unter Spannung halten, das jede noch so absurde Corona-Botschaft gierig aufnimmt. We love Corona-Online 24/7! Eine meiner Lieblingszeilen: „Forscher entdecken Antikörper gegen Covid-19 in Lamas.“ Wo sonst? Doch nicht in der Charité oder im RKI. Aber soll das die Zukunft von Medienmanagern sein? Von der gediegenen Position eines Fast-Verlegers degradiert zum Herrn über liederliche Fake-News und Traffic-Schleudern? 
 
Vielleicht kommt’s ja nach Matthias Horx Vorstellung: „Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, überflüssig machen…  Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.  Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.Das könnte bedeuten, dass die seriösen Medien (also die, die wirklich seriös sind) und guter Journalismus (also der, der wirklich gut ist) und die guten Medienmanager (also die, die…) am Ende gewännen? Das wäre eine schöne Hinterlassenschaft der Krise!
 
Thomas Bily, der Mitgründer der Social Media-Plattform Wize.Life, hat für Clap Online wieder in die Tasten gegriffen. Als ehemaliger Manager in der deutschen Printmedienlandschaft (Burda, Gruner + Jahr) robbt er sich durch den digitalen Wandel und stolpert manchmal über Seltsamkeiten in seiner alten und neuen Branche. Wenn Sie ihn erreichen wollen: t.bily@wize.life