Marketingchef möchte man in Tagen der Corona-Krise nicht sein. Das mühsam erkämpfte Budget rinnt geradewegs in den Abfluss. Der Controller hatte seinen Besuch schon abgestattet: „Mann, wir sind hier nicht bei Hakle! Absatzminus = Werbegeldminus. So einfach ist das!“ Und der Vertriebschef lauert schon an der nächsten Ecke und will einem noch den letzten Rest rauben.

„Was tun? sprach Zeus“, wusste schon Friedrich Schiller (1759-1805) zu dichten. Und der Marketingchef könnte mit Schiller antworten: „Da steh‘ ich, ein entlaubter Stamm!“ Oder es entfährt ihm gar: „Ich hab‘ hier bloß ein Amt und keine Meinung.“

Sie möchten wissen, wie der Disput verlief und endete? Kommen Sie mit. Lauschen wir gespannt dem in Zitaten des weisen Dichters Friedrich Schiller gekleideten Gespräch unserer drei Protagonisten…

Marketing an Controlling: „Die Zeit bringt Rat. Erwartet’s in Geduld! Man muss dem Augenblick auch was vertraun.“ Und im gleichen Atemzug Richtung Vertrieb: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

Die Antwort des Controllers kommt postwendend: „Wenn der Ochse den Kornwagen in die Scheune gezogen hat, so muss er mit Heu vorliebnehmen.“ Und der Vertrieb schickt, unverfroren wie er nun einmal ist, hinterher: „Was man nicht aufgibt, hat man nie verloren.“

Unser Marketingchef, entsetzt über diese Ignoranz, erwidert: „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.“ Und, inzwischen richtig auf dem #fackjugöhte-Trip: „Du hast mir eine kostbare Stunde gestohlen, sie werde dir an deinem Leben abgezogen!“

Der Controller, sichtlich beeindruckt von der Leidenschaft des Marketingchefs: „So ernst, mein Freund? Ich kenne dich nicht mehr.“ Aber durchaus interessiert: „Was ist der langen Rede kurzer Sinn?“

Marketingchef sodann an Beide: „Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten.“ Und weiß zu ergänzen: „Veränderung nur ist das Salz des Vergnügens.“ Schon fast verzweifelt, zaubert er sein stärkstes Argument hervor: „Das Wort ist frei, die Tat ist stumm, der Gehorsam blind.“ Um dann zum allerletzten Schlag auszuholen: „Warum plagen wir einer den andern? Das Leben zerrinnt, und es versammelt uns nur einmal wie heute die Zeit.

Der Vertrieb, schwer beeindruckt und kleinlaut („Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt.“), lenkt diplomatisch ein: „Ich bin besser als mein Ruf.“ Er gibt Marketing recht und wendet sich an Controlling: „Ein tiefer Sinn wohnt in den alten Bräuchen.“ Der Controller, überwältigt von solch Weisheit, stimmt am Ende zu: „Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.“

Alsdann kommt es zur gütlichen Einigung. Marketing gibt dem Vertrieb den Zehnten und investiert den großen Rest unter kräftigem Beifall des Controllings nunmehr in eine neue, auf die Krise fein abgestimmte Haltungs-Botschaft an die geliebte Zielgruppe.

Die Zielgruppe frohlockt ihrerseits ob der Empathie des Unternehmens und kauft nach Beendigung des Shutdowns die Regale leer. Marketing, Vertrieb und Controlling treffen sich erneut, feiern den gemeinsamen Erfolg und stimmen ein: „Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst!“

Sehen Sie, liebe Marketingleute, Sie sollten des Öfteren mal am verstaubten Regal bei den alten Dichtern nachsehen, wenn Sie nach Lösungen suchen. Dort warten wahre Schätze der Erkenntnis auf Sie.

Und weil Schiller die Kommunikation des Krisenjahres 2020 soeben rettete, geben wir ihm auch das Schlusswort: „Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich.“ Danke, Friedrich.

Thomas Koch ist Media-Experte und lebt in Düsseldorf. Er schreibt regelmäßig für Clap. 

Foto: Alexander von Spreti