Eigentlich würde sich jetzt Sportmoderatorin Birgit Nössing auf das Tennis Grand Slam-Turnier French Open vorbereiten, das für Mitte Mai terminiert war. Doch Tennis wird natürlich derzeit ebenso wenig gespielt wie Fußball. Immerhin sieht es so aus, als ob der Ball in einigen Ligen bald wieder rollen könnte. Wie zuversichtlich kann die Sportbranche gerade sein? Wir haben die Eurosport-Moderatorin dazu befragt, die während der Sport-Pause auch für den Nachrichtensender Welt im Einsatz ist.

Es gab wochenlang keine Sport-Events, eine schwierige Zeit für Sportmoderation. Nun sieht es so aus, als ob zumindest beim Fußball bald wieder Wettbewerbe laufen können. Wie zuversichtlich schauen Sie gerade nach vorne?

Nössing: Noch bin ich etwas skeptisch, was einen baldigen Neustart im Sport angeht, aber es ist Bewegung drin. Ich möchte allerdings nicht entscheiden müssen, wann die Fussball-Ligen wieder starten dürfen. Da ist jetzt extrem viel Feingefühl und gutes Timing gefragt, weil sich sonst Menschen in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie beispielsweise Kulturschaffende ungerecht behandelt fühlen. Dennoch muss in dieser Diskussion immer wieder betont werden, wie wichtig der Sport für die Gesellschaft ist. Neben seiner Bedeutung als Wirtschaftsmotor hat Sport eine große verbindende Kraft.

Wie haben Sie die letzten Wochen überbrückt? Zuletzt waren Sie ja überraschend als „Welt“-Reporterin im Einsatz und haben für den Berliner News-Sender über die Corona-Krise aus Bayern berichtet.

Nössing: Ich habe viel geschlafen und viel gelesen. Ungewöhnliche Sportlerbiografien haben es mir angetan, zum Beispiel die von Roman Hagara. Ein Segler, der im Wintersportland Österreich anfangs als Exot galt, dann aber Doppelolympiasieger wurde. Er ist ein Meister darin, Widerstände für sich zu nutzen, auf hoher See und generell im Leben. Außerdem habe ich alle Nachrichten zum Thema Corona aufgesaugt. Ich wollte verstehen, was hier gerade passiert. Wahrscheinlich habe ich mich deshalb beim Nachrichtensender WELT, der mal mein Arbeitgeber war, gemeldet.

Werden Sie noch länger als „Welt“-Reporterin“ arbeiten?

Nössing: Bei ‚Welt‘ bin ich als freie Mitarbeiterin je nach Bedarf im Einsatz. Aber auch sonst tut sich einiges. Eurosport entwickelt gerade verschiedene digitale Formate, darunter einen Vodcast, bei dem ich mitwirke. Auch in Salzburg bei ServusTV wird gerade fleißig getüftelt, welche Themen in diesen Zeiten für “Sport und Talk aus dem Hangar-7” realistisch und interessant sind. In unserer Comeback-Sendung am kommende Montag gehts um den Neustart im Fussball und um einen möglichen Start der Formel-1 Saison in Österreich.

Wie beurteilen Sie denn beispielsweise die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio? So etwas in der Form hat es ja noch nie gegeben. Einfach genau wie geplant, nur ein Jahr später?

Nössing: Die Verschiebung bringt viele Herausforderungen mit sich. Abgesehen vom enormen logistischen Aufwand für die Veranstalter und TV-Sender stelle ich es mir auch für die Sportler schwierig vor. Viele von ihnen hatten einen 4-Jahres-Plan, der exakt darauf ausgerichtet war, im Juli 2020 in Topform zu sein. Auch für mich persönlich wären es spannende Monate geworden: French Open, US Open, dazwischen die Spiele. Ein echter Highlight-Sommer, auf den ich mich richtig gefreut habe.

In welcher Form bereitet sich denn Eurosport darauf vor, wieder live von Wettkämpfen zu berichten?

Nössing: Wenn sich die Lage beruhigt, könnte es im Herbst richtig zur Sache gehen bei Eurosport: Tour de France, das 24h Rennen von Le Mans, French Open, US Open, Giro D’Italia und die Vuelta. Auch aktuell arbeitet das gesamte Team trotz der Umstände mit großer Leidenschaft. Im Eurosport Podcast „Extra-Time“ sprechen unsere Experten sowie ehemalige und aktive Sportler über das aktuelle Sport-Geschehen und darüber, wie Corona den Sport verändert.

Sie sind ja als Moderatorin von Tennis-Grand-Slams bekannt. Einer der wenigen Sportarten, bei der die Athleten eigentlich einen Sicherheitsabstand halten könnten. Könnte man nicht Tennisturniere als nächstes wieder ins Sportprogramm aufnehmen?

Nössing: Der Sicherheitsabstand auf dem Tennisplatz ist nicht das Problem, sondern die Reiserei. Tennis ist ein globaler Sport und bringt immer internationale Reisen mit sich, welche aktuell wegen der Reisebeschränkungen nicht möglich sind. Es wäre außerdem unfair, ein Grand Slam Turnier zu veranstalten und Weltranglistenpunkte zu vergeben, wenn nicht alle die Chance hätten, daran teilzunehmen. Trotzdem muss Tennis in diesem Sommer nicht ganz ausfallen. Der DTB plant ab Juni eine nationale Serie mit prominenten deutschen Tennisprofis.

Interview: dh

 

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