Der bekannte Eventveranstalter Sören Bauer hofft, dass es ab Juli wieder echte Events in der Medienbranche gibt. Noch aber gibt es wenig Planungssicherheit. Seine Top-Veranstaltung „Movie meets Media“ läuft zwar nicht wie geplant im Juni, soll aber im Spätsommer in München dennoch auf den Weg gebracht werden. Im Gespräch mit Clap vermeidet Bauer den in Mode gekommenen Ausdruck „physische Events“ und fordert von der Politik eine klarere Definition einer „Großveranstaltung“. 

Wie hat ein Event-Manager die letzten Wochen verbracht?

Bauer: Ich kann das natürlich nur für mich und Sören Bauer Events beantworten. Wir haben die ersten Wochen nach dem aufflammen der Corona-Krise damit verbracht schon geplante Events abzusagen, zu verschieben und neu zu planen. Die nächsten Wochen haben wir dann die kommenden Veranstaltungen bis Ende 2020 mit Plan A bis E neu aufgestellt. Seit rund vier Wochen beschäftigen auch wir uns damit, digitale Events auf den Weg zu bringen. Bei einigen Formaten wie der Speakers-Night und dem Director´s Cut ist das möglich und deshalb starten wir kommende Woche über unseren Face-Club.com mit einer „Online Speakers-Night“ als Test.

Wann sollten Ihrer Meinung nach die Events in der Kommunikationsbranche denn wieder starten? Ab September?

Bauer: Die wichtigste Frage dazu ist natürlich: Wann DÜRFEN Events aus gesetzlicher Sicht wieder starten. Wenn ich mir die Schnelligkeit anschaue mit der in den letzten zwei Wochen Deutschland wieder hochgefahren wird, sollte das gesellschaftliche Leben mit Events, Theater oder Kino im Juni wieder starten, es gibt ja Konzepte aus vielen Richtungen wie das ganze funktionieren kann und trotzdem sicher ist.

Das bedeudet für Ihre Agentur? 

Bauer: Wir hoffen, dass es ab Juli möglich sein muss, wieder echte Events stattfinden zu lassen. Im Zweifel mit begrenzten Teilnehmerzahlen und der digitalen Anmeldung um Rückschlüsse zu ziehen wer im Falle eines Corona-Infizierung mit wem Kontakt hatte. In diesen Zeiten hoher Verunsicherung ist es wichtiger denn je sich auszutauschen und gesellschaftlichen Kontakt auch mit der nötigen „Social-Distance“- zu haben. Oftmals gibt es ja nur durch die persönlichen Gespräche neue Ansätze und Geschäftsideen.  

Fallen eigentlich die Events der Kommunikationsbranche unter den Begriff der „Großveranstaltung“?

Bauer: Das schöne an der Politik ist immer wieder, dass Aussagen getroffen werden die vermeintlich etwas aussagen, aber in Wirklichkeit nichts aussagen! „Großveranstaltungen“ sind dafür das beste Beispiel. Was ist eine Großveranstaltung ? Aus meiner Sicht fängt das bei 1.000 bis 5.000 Teilnehmern an. Bestimmt gibt es auch Menschen die das erst ab 10.000 Menschen definieren. Die Bundespolitik hat das bis heute nicht genau definiert. Deshalb sagt beispielsweise die Stadt Hamburg, Sie sehen auch keine Familienfeste unter 100 Personen bis zum 31.08.20 und Schleswig-Holstein hat schon früh gesagt, dass Sie sich Events bis 1.000 Personen vor diesem Datum vorstellen können. Also um meinerseits die Frage klar zu beantworten: NEIN, alles unter 1.000 oder von mir aus unter 500 Personen sind keine Großveranstaltungen, denn sonst müssten wir für Events von 5.000 bis 50.000 und Events ab 50.000 neue Begriffe definieren.

Ihre bekannte Veranstaltung „Movie meets Media“ sollte eigentlich im Juni wieder im Rahmen des Filmfests München laufen. Warum wird die nicht abgesagt, sondern in den Spätsommer verlegt?

Bauer: Ich glaube wir haben aktuell zwei Arten von Menschen. Einerseits Leute die bis zur Findung eines Impfstoffes nirgends hingehen und andererseits Menschen die sich sogar auf eine Einladung zu einer Fischdosen-Eröffnung freuen würden. Deshalb und weil der Austausch aus sozialen und beruflichen Gründen so unglaublich wichtig ist, planen wir im gesetzlichen Rahmen unsere Münchener „Movie meets Media“ zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Sommer. Wir planen das Event dabei auf Sicht mit einem Vorlauf von zwei bis vier Wochen und haben schon viel Feedback bekommen, dass sich Celebrities, Entscheider und Medien darauf freuen.

Glauben Sie, dass es die neuen „digitalen Events“ auch nach der Corona-Krise geben wird? 

Bauer: Natürlich wird es nach Corona beides geben und digitale Events haben bestimmt auch Ihre Berechtigung weshalb es Sie weiter geben wird, aber besser ist -aus meiner Sicht- immer noch das echte Event! Vielleicht werden „physische“ Events nach Corona mehr geschätzt und dadurch wertiger. Das wäre doch schön.

Gefällt Ihnen dieser jetzt oftmals verwendet Begriff „physische Events“ eigentlich, der jetzt öfter mal verwendet wird?

Bauer: Es ist schon fast absurd zu was für Begriffen man durch solche Situationen kommt. Physische Events finde ich seltsam. Wir benutzen den Begriff „REAL-Event“, manchmal auch „echtes Event“.

Interview: Daniel Häuser

Foto: Linkedin