Der Clap-Weltreisende Thomas Koch war unterwegs in Afrika. Nach seiner Rückkehr sah er seine Heimat noch kritischer und fand in der aktuellen Clap-Ausgabe 50 harte Worte für die Kommunikationsbranche:

„Du suchst nachmittags ein Café und willst draußen in der Sonne sitzen, findest aber keins. Weil die Menschen, die hier leben, lieber drinnen sitzen. Du willst abends in einem dir empfohlenen Restaurant essen, aber es hat geschlossen. Weil Ramadan ist. Du musst telefonieren, aber es geht nicht. Weil es weit und breit kein Telefonnetz, geschweige denn Internet gibt. Du hast einen Termin bei einem Radiosender, aber du fliegst nicht hin. Weil im Ort vor wenigen Tagen ein Bombenanschlag verübt wurde. Wo das Leben so kompliziert ist? Ich bin wieder auf Auslandsmission. Diesmal durch Tansania. Von Daressalam bis ins ländliche Makunduchi auf Sansibar.

Bei uns ist das Leben weniger kompliziert. Du willst ins Café, du findest ein Café. Du willst essen, du kriegst essen. Du willst telefonieren, du wählst. Du willst nach München, du kommst nach München. Aber Hand aufs Herz: Das ist sterbenslangweilig. Es ist gewohnt, es ist bequem. Es ist typisch deutsch. Wir sind schon zufrieden, wenn nur alles funktioniert. Da verbringe ich doch gern ein paar Wochen im Jahr in Ländern, in denen nicht alles so reibungslos funktioniert wie im Café Einstein, bei Blockhouse, bei Vodafone und wie bei Air Berlin (sorry, das konnte ich mir nicht verkneifen). Was ich als Gegenleistung dafür bekomme? Das Leuchten in den Augen der Menschen im Irak, Südsudan, in Libyen, Afghanistan und Tansania. Ich spüre ihre Leidenschaft, für ihren Traum zu kämpfen und zu leben. Ich atme ihren Drang nach Freiheit ein. Wo kann mir Deutschland noch Leidenschaft bieten? Bei den Menschen in Medien und Werbung finde ich das nicht. Ihr langweilt mich zu Tode.“

Die Antwort – übrigens von einer ehemaligen Mitarbeiterin – ließ nicht lang auf sich warten:

„Lieber Thomas Koch, was ist mit Ihnen passiert? Warum wollen Sie nachmittags in Tansania draußen in der Sonne sitzen, wenn die Menschen dort Ihnen doch vorleben, dass man besser drinnen sitzt? Wer hat Ihnen ein Restaurant empfohlen, das geschlossen hat? Wusste derjenige nicht, dass Ramadan ist? Was ist verkehrt daran, dass das Leben hier bei uns in Deutschland weniger kompliziert ist? Haben Sie es noch nie genossen, einfach in ein Café gehen zu können, wann immer Ihnen danach zumute ist? Oder Essen zu bekommen, wann immer Sie hungrig sind? Oder nach München fliegen zu können …

Was ist mit Ihnen passiert? Ich erinnere mich (gerne!) an Zeiten, da Sie es waren, der mit seiner Motivation, seinem Enthusiasmus, seiner Überzeugung ein Leuchten in die Augen der Menschen gebracht hat! Es gab diese Menschen, die mit ihrer Leidenschaft für IHREN Traum gekämpft und gelebt haben, sie alle hatten den “TKM-Virus”! Dabei ist es in Deutschland doch gar nicht so langweilig, ganz im Gegenteil, es ist alles so furchtbar gefährlich hier, dass es bald nur noch Verbote wird geben müssen. Ich habe Ihnen einen Artikel beigefügt, der heute in der RP erschien; Sie werden bei dessen Lektüre feststellen, wie gefährlich Deutschland doch tatsächlich ist … Liegt es möglicherweise an Ihnen selbst, dass man Ihnen scheinbar hier keine Leidenschaft mehr bietet? Die Menschen in Medien und Werbung langweilen Sie zu Tode. Sie sind einer dieser Menschen. Haben Sie noch ein Leuchten in den Augen? Haben Sie noch die Leidenschaft, für Ihren Traum zu kämpfen und zu leben? Oder haben Sie während Ihrer Auslandsmissionen einfach soviel Drang nach Freiheit eingeatmet, dass Ihnen Deutschland zu eng geworden ist? Was ist mit Ihnen passiert, lieber Thomas Koch? Ganz herzliche Grüße, Brigitte Schmitt“

(Thomas Koch) Foto: Alexander von Spreti