Je mehr Kommunikationskanäle wir besitzen, desto erreichbarer werden wir. Finde den Fehler. Also nochmal: Je mehr Kanäle wir besitzen, desto unerreichbarer werden wir. So unerreichbar wie einstmals Jack Sparrow auf seiner einsamen Karibikinsel. Schon besser. Und absolut logisch. Wir wollen jemand erreichen? Was nehmen wir? Das Telefon, SMS, E-Mail, Facebook, Twitter, WhatsApp, Xing, LinkedIn? Was auch immer, greifen Sie bloß nicht zum Telefon. Da geht mit Sicherheit niemand dran. Weil alle Menschen den ganzen, lieben Tag ihr Internet abgrasen und nachschauen, ob sie dort jemand erreichen will. Und beim besten Willen und vor lauter Kanälen nicht mehr wissen, wer sich wo gemeldet hatte. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass jemand anruft. Weil man inzwischen mit dem Telefon so ziemlich alles macht – nur nicht telefonieren. Und man es deshalb gleich auf lautlos stellt. Für Terminabsprachen empfehle ich unbedingt die E-Mail. Bis der Termin steht, haben höchstens fünf bis sechs Emails Ihren Posteingang zugemüllt. Da der Termin ohnehin wieder verschoben wird, addiert es sich auf neun bis zehn E-Mails. Am Telefon hätte ein kurzer Anruf gereicht. Sometimes old school is better school. Aber das passt nicht in unsere hyperdigitale Zeit. Hauptsache, alle sind bei WhatsApp. Und beim nächsten Messaging-Dienst würden sich alle wieder anmelden, selbst wenn er HeißeScheice hieße. Es ist der Fluch unserer Zeit. Der Fluch der neuen Unerreichbarkeit. Zumindest für diejenigen, die sich für wichtig halten. Die, die wichtig sind, sind meist erreichbar. Allerdings weder bei Xing, noch bei WhatsApp. Sondern am Telefon. Und wenn nicht, dann sind sie vermutlich gerade in der Karibik. Wo sich Menschen entdigitalisieren und für ein paar Tage unerreichbar sein wollen. Schönen Urlaub!

(Thomas Koch) Foto: Alexander von Spreti