Nach 21 Jahren ist Schluss. Der Geschäftsführer der Medientage München, Christopher Tusch, hört auf. Im Jahr 1999 übernahm sein Unternehmen die Durchführung des Medienkongresses – und Tusch prägte diesen seither entscheidend mit. Damit steht bei der Fachmesse, die im letzten Jahr ihr 30. Jubiläum feierte, wohl eine tiefgreifende Zäsur an. Die beiden anderen Geschäftsführer beendeten schon im vergangenen Jahr ihre Tätigkeit in der Liebigstraße, Johannes Kors ging in den Ruhestand, Reiner Müller wurde neuer stellvertretender Chef der BLM und gab seine Tätigkeit bei den Medientagen auf.

Christopher Tusch hat das Unternehmen Ende Februar bereits verlassen und wird somit den anstehenden Umzug der Medientage vom Münchner Stadtteil Lehel in die Rosenheimerstraße nicht mitmachen. Tusch sucht  noch keine neue Aufgabe. Er will sich eine längere Auszeit gönnen um seinen „Kopf frei zu bekommen“. Tusch gegenüber Clap: „Es ist mir bewusst, dass ich vieles aufgebe und dennoch reifte in mir nach 21 Jahren Medientage der Wunsch, noch einmal etwas ganz Anderes anzupacken.“ Seine nächsten Vorhaben? Viel Golfspielen, mal wieder Radfahren, wandern.

Als Nachfolger wurde der BLM-Referent für Strategie und digitale Entwicklung Stefan Sutor bereits gehandelt. Nun steht er auch im Impressum.

 

Text: Daniel Häuser

 

Im Jahr 2012 hatte Clap „Mr.Medientage“ im Clap-Club zum Gespräch, das wir aus aktuellem Anlass  veröffentlichen.
Wie reagieren Sie, wenn jemand Sie „Mr. Medientage“ nennt?
Da fühle ich mich primär mal geschmeichelt. Aber die Medientage sind natürlich Ergebnis einer Teamarbeit.

Sie sind dort seit 1996 Prokurist und seit 2010 auch Geschäftsführer. Besonders in den Vordergrund haben Sie sich aber nie geschoben.
Mir geht’s auch nicht darum, mich selber zu profilieren. Dafür sind andere in der Medienszene besser geeignet.

Ach ja, wer?!
Bisher wurden die Medientage nach außen unter anderem sehr gut von Herrn Professor Ring verkörpert.

Ist es gerade im Münchner People-Business nicht unerlässlich, sein Produkt auch mit sich selber zu verkaufen?
Es gibt sicher viele Argumente dafür oder dagegen. Mein Stil ist es einfach nicht. Ich bin auch hierher relativ zögerlich gekommen. Jemand anders hätte vielleicht schon sehnsüchtig an der Tür gekratzt.

Davon können Sie ausgehen. Ärgert es Sie eigentlich, wenn es so selten heißt: „Hey, gehste auch mit auf das Wahnsinns-Medientage-Panel“, sondern immer: „Haste mal ’ne Karte für die Nacht der Medien“?
Das ist schon eine sehr starke Reduzierung unserer dreitägigen Veranstaltung, die mich ärgert. Unsere Hauptarbeit liegt in der Planung der Panels und der Umsetzung von Kongress und Messe. Aber dadurch, dass ich häufig gehört habe, die Party sei der wichtigste Medien-Event im Land, ist es für mich auch eine Genugtuung.

Aber die inhaltliche Kritik ist mit Sicherheit bis in jedes einzelne Medientage-Büro vorgedrungen: „Überall die gleiche Konsens-Soße.“ Wünschen Sie sich nicht manchmal mehr Zoff?
Auf jeden Fall! Aber es ist zunächst mal eine Mainstream-Veranstaltung, die im Premium Sektor der Eintrittsgelder liegt. Wir refinanzieren uns aus den Erlösen, und da müssen wir uns schon anschauen: Woher kommen diese? Die Kongressmitveranstalter möchten ihre Referenten, die oftmals ihre Kunden sind, nicht unbedingt in Streitgespräche verwickeln.  

Haben Sie nicht die Möglichkeit, bei der Zusammensetzung der Veranstaltung für mehr Streit unter den Teilnehmern zu sorgen?
Ja, und das werden wir heuer auch noch stärker versuchen. Wir werden unter anderem neue Veranstaltungsformate einführen und mit teilweise kleineren Podiumsrunden für hoffentlich mehr Polarisierung sorgen. Das wichtigste Element, das wir haben, ist der Moderator. Es gibt leider gar nicht so viele Moderatoren, die geeignet sind, ein Panel mit sechs, sieben Leuten erfolgreich zu lenken.

Vertragen die Diskutanten nicht mehr Zoff?
Die Zeiten von Georg Kofler vermisse ich natürlich auch. Zu seinen Panels wollten immer alle hin.

Derzeit ist die deutsche Medienlandschaft also nicht geschaffen für Reibung und Auseinandersetzung?
Spätestens seit dem Platzen der Dotcom-Blase werden viele Unternehmen streng betriebswirtschaftlich und zum großen Teil von Controllern geführt. Als Referenten haben diese Personen nur selten ihren Schwerpunkt auf  kreativem Gedankenaustausch, da sie als Controller ganz genau wissen, wie gering die Spielräume ihres Unternehmens sind.

Wie wichtig ist die Elefantenrunde, die immerhin live im Nachrichtenfernsehen läuft?
Die Elefantenrunde hat die größte Außenwirkung für die Medientage insgesamt. Das Format hat sich über die Jahre möglicherweise leicht abgenutzt, sodass wir hier Änderungen anstreben, etwa die Anzahl der Teilnehmer zu verringern. Aber es darf nicht zu große Brüche geben. Wir sind bestrebt, dass dieser ehemalige rundfunkpolitische Gipfel zu einem modernen medienpolitischen Gipfel wird. Mein Ziel ist es, dass der Mediengipfel schwerpunktmäßig das jährliche Medientage-Motto diskutiert und damit ein Querschnitt aller folgenden Panels der Medientage ist.
 
Was ist das Faszinierende an dem Job?
Arbeiten im Glamour der Medienbranche. Wir versuchen, Plattformen für das Networking zu entwickeln und kommen dabei mit interessanten Menschen und Unternehmen in Kontakt. Wir können viele Ideen ausprobieren. Ich möchte Sachen verändern und weiterbringen. Da braucht man übrigens mitunter sehr viel Geduld.

Die ist bei Ihnen wann am Ende?
Bei einer unlogischen Argumentation.

Wie halten Sie sich fit?
Im Winter fahre ich gerne Ski. So war ich letztes Wochenende bei minus 28 Grad auf der Kristallhütte in Hochfügen beim Skifahren – mit vielen meiner Freunde, die ich zum Teil schon aus  meiner Schulzeit kenne. Bis zum 40. Geburtstag habe ich gesagt: Ich habe für Golf keine Zeit. Dann habe ich die Platzreife gemacht, und jetzt spiele ich seit vier Jahren. Und liebe es.

Haben Sie eigentlich Angst vor Haarausfall?
Nein, eher vor grauen Haaren. Äußerlichkeiten spielen meiner Meinung nach in unserer Gesellschaft im Job eine große Rolle. Es geht darum, fit, jugendlich und vital zu wirken. Das ist gerade in München wichtig.

 

Clap: So, so: ein eitler Mensch!

Christopher Tusch: Schon immer gewesen.