Zwischen Weihnachten und Neujahr 2013 war diese Nachricht fast untergegangen: Der langjährige Microsoft-Manager Oliver Kaltner steigt überraschend beim Software-Riesen aus. Doch sein Abschied dauerte länger, als zunächst gedacht. Nun soll sein Kontrakt mit Redmond endgültig im Sommer auslaufen. Eine neue Stelle hat Kaltner laut eigenen Angaben aber noch nicht. Er befindet sich derzeit noch in Verhandlungen mit einem neuen Arbeitgeber. Es bleibt also abzuwarten, wo der smarte Karriere-Mann demnächst aufschlagen wird. Wir hatten Oliver Kaltner vor einigen Monaten zum Clkubgespräch getroffen. Einiges zu seinen Zukunftsplänen verriet er dort bereits. (dh)

 

Oliver_Kaltner_auf_MM

„Ich krieg dich!“

Seit Februar 2009 ist Oliver Kaltner in der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland. Dort scheint er seine Heimat endgültig gefunden zu haben, nachdem er in den vergangenen Jahren als ausgemachter Jobhopper auffällig geworden war. Wir wollten von dem Musik liebenden Jungmanager wissen, wie man es in die Top-Etagen der Entertainment-Industrie schafft.

Mit Anfang 40 arbeiten Sie bereits zum fünften Mal in einer herausgehobenen Position. Diese Geschwindigkeit beim Jobwechsel macht Ihnen so schnell keiner nach. Verraten Sie uns den Namen Ihres Headhunters?
(lacht) „Heidrick und Struggles“ haben mich sehr gut begleitet in den letzten Jahren. Der Hauptgrund ist aber, dass ich schon im Alter von 18 Jahren konkrete Vorstellungen hatte, was ich machen will. Ich habe mein Studium sehr früh beendet – mit 23 Jahren. Damit wollte ich einfach schnell fertig werden. Für mich war es nur eine Eintrittskarte ins Berufsleben. Das hat geklappt, aber es hat auch ein wenig Glück dazugehört.

Beim Pay-TV-Sender Sky hielten Sie es nur drei Monate aus. Wie lange sollte man denn minimal beziehungsweise maximal in einem Unternehmen bleiben?
(lacht) Länger als drei Monate. Zwölf Wochen reichen natürlich nicht aus, um Akzente zu setzen. Drei Monate sind aber ein gutes Zeichen dafür, dass sich die Voraussetzungen nach der Einstellung drastisch verändert haben. Mit dem neuen Vorstand (Mark Williams, Anm. d. Red.) bei Sky musste ich eine schnelle Entscheidung treffen, da es doch recht unterschiedliche Auffassungen zur Geschäftsausrichtung gab.

Ist es das, was viele nicht können: loslassen?
Ja, es gibt viele, die sich davor scheuen, konkrete Management-Entscheidungen für sich selbst zu treffen.

Wo hat es Ihnen bisher am wenigsten Spaß gemacht?
Bei HMS Carat, meinem ersten Arbeitgeber. Zufälligerweise war Alexander Ruzicka damals noch mein Chef. Und bei Sony habe ich bis zu 150 Mails am Wochenende aus Japan bekommen. Bei Nike ging es da am Wochenende tatsächlich branchenbedingt gottlob etwas sportlicher zu.

Sie werden von Freunden wie Feinden als „hard but smart“ bezeichnet. Was wird Ihnen mehr gerecht?
Ich denke eher „smart“. Immer, wenn harte Entscheidungen zu treffen waren, habe ich das vorher angekündigt. Insofern sollte ich da niemanden überrascht haben, wenn das auch konsequent umgesetzt wurde. In den letzten Jahren hatte ich sehr viele Sanierungsarbeiten zu erledigen. Eine schwierige Zeit, wenn ich daran zurückdenke, dass langjährige verdiente Mitarbeiter vor die Tür gesetzt werden mussten.

Oliver_Kaltner_vor_Clap-Club

Wie entspannen Sie sich nach einem solchen hard day?
Gute Frage, das ist mein größter persönlicher Schwachpunkt! Ich bin sicher der geborene Workaholic. Das ist etwas, was ich endlich auch lernen muss. Ich war jetzt endlich mal eine Woche auf Sylt, was ich mir schon so lange vorgenommen habe. Ich habe sogar mein Notebook daheim gelassen. Für mich ein großer Schritt!

Sonst sind Sie ja eher ein Fan von Städtereisen.
Ja, ich bin eher gelangweilt, wenn ich einen Badeurlaub machen soll. In Berlin eine Auswahl von 20 coolen Restaurants und Clubs zu haben finde ich extrem reizvoll. Ein großer Entdecker bin ich beim Finden von Seitengassen ohne Touristen. Bin zum Beispiel schon mal neun Stunden durch Istanbul gelaufen. Rom und Wien finde ich in dieser Richtung auch sehr spannend.

Was gefällt Ihnen an Wien: die latent zynische Haltung der Österreicher?
Mir gefällt deren Spiel mit der Rhetorik, und die Wiener haben das, glaube ich, in ihrer DNA drin.

Welche Musik nehmen Sie mit in den Urlaub?
Irgendeine ist auf jeden Fall immer dabei. Ich bin ein großer Musik-Fan, habe zu Hause 2600 CDs im Regal stehen. Im September werde ich auf jeden Fall auch zum U2-Konzert ins Stadion gehen. Da freue ich mich extrem drauf, weil da so viele Jungenderinnerungen drinstecken. Da gebe ich auch gern 20 Euro mehr für die Karte aus.

Über so einen Betrag müssen Sie ja ohnehin nicht wirklich nachdenken.
Doch, doch! Ich bin zwar ein Genussmensch, denke aber schon stark darüber nach, wofür ich mein Geld ausgebe. Vielleicht auch für Computerspiele? Seit Ihrer Station bei Electronic Arts sollten Sie dafür eine Affinität haben.

Was ist zum Beispiel Ihr liebstes Ballerspiel?
Klar, bei EA war das früher natürlich legitim, im Netzwerk mit den Kollegen zu spielen. Ich kann mich da an einige durchgezockte Abende mit dem damaligen Spiele-Hit „Unreal Tournament“ erinnern. „Ich krieg Dich“ war dabei sehr lange Zeit mein Nickname.

Das ist schon rund zehn Jahre her. Denken Sie daran noch gern zurück?
Ja, sehr gern. Damals war die Spielebranche noch nicht so industriell entwickelt. Wenn man da mit Anzug reinkam, war das schon was Besonderes. Was ich auch fantastisch fand, war diese Unschuld in der Branche. Alles lief damals in Köln irgendwie spielerisch.

Dort ist jetzt auch der Onliner-Event dmexco angesiedelt, um den Sie einen großen Bogen machen. Nennen Sie uns drei Gründe, warum Sie nicht gern auf Messen gehen.
Messen sind unglaublich kräftezehrend! Es gibt im Geschäftsleben kaum etwas Anstrengenderes. Wenn man ohne konkretes Ziel dabei ist – das gibt es häufiger, als man glaubt –, ist es total sinnlos, so viel Geld auszugeben, ohne einen konkreten Beitrag leisten zu können! Und Messen sind leider auch ein Treffpunkt für Darsteller! Denen geht es gar nicht so sehr um das Produkt ihres Unternehmens. Mit fällt sogar noch ein vierter Grund ein: Die vielen Events auf einer Messe liegen mir nicht Ich bin einfach kein guter Small-Talker. Ein gepflegtes Gespräch bei einem guten Wein ist mir da lieber. So wie jetzt. Allerdings haben Sie mir noch keinen Wein angeboten …

(dh/bulo) Fotos: Alexander von Spreti, Medientage München