Da ist er, der berühmte Tee von Chefredakteur di Lorenzo, mit dem er beruhigend auf sich und seine Redaktion einwirkt. Zu besichtigen gibt es ihn am kommenden Montag. Da erscheint zum 70. Jubiläum der „Zeit“ eine Sonderausgabe mit bisher unbekannten Einsichten in die Hamburger Redaktion. Abgedruckt werden beispielsweise die schlimmsten Hassmails und die gröbsten Fehleinschätzungen. Der Sonderdruck, der zusätzlich zur regulären Ausgabe erscheint, geizt also nicht mit überraschenden Einblicken.

Denn mittendrin steht ein Text des Ex-„Zeit“ Reporters Kuno Krause, der das Innenleben der Redaktion beschreibt. So erfahren wir zum Beispiel, dass Giovanni di Lorenzo das zitieren annonymer Quellen für feige hält und das die Kerben in seinen Wangen live etwas tiefer wirken als im Fernsehen. Außerdem pflege er das altmodische und hanseatische „Sie“ zum Vornamen. Das gibt es so wahrscheinlich in keiner anderen Redaktion.

Außerdem gebe es mittlerweile enorm viele Frauen, die im Haus arbeiten, „sie haben sogar eigene Etagen scheint mir“, schreibt Kruse. Und sie hätten häufig die Doppelspitzen in den Ressorts, was durchaus positiv zu sehen wäre. Uneinigkeit herrscht aber offenbar darüber, ob es eine gute Entscheidung war, das Hamburger Pressehaus, in dem „Die Zeit“ sitzt, nun in Helmut-Schmidt-Haus umzubenennen. Der Autor meint, dass er früher eine Sitzblockade wegen so einer Entscheidung veranstaltet hätte, denn Gerd Bucerius sei nunmal der Gründer des Verlags.

Wer bisher dachte, im feinen Haus am Speersort ginge alles sauber und aufgeräumt zu, der irrt. Ein Foto, dass wir der Zeit abluchsen konnten, zeigt ein unwohnliches Büro aus dem Feuilleton. So sieht es wohl nicht nur bei der „Zeit“, sondern in vielen deutschen Redaktionsstuben aus. Leider hat es dieses Bild nicht in die gedruckte Ausgabe geschafft.

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Und noch etwas zum Thema Getränke: In früheren Jahren war bei den Hamburgern nicht etwa der Jasmin-Tee hip, in den 70er Jahren wurden öfter einige Whiskey-Flaschen zur Heftproduktion geleert. Unser Foto zeigt die Feuilletonchefs Dieter E. Zimmer, Fritz J. Raddatz und Ulrich Greiner bei einer internen Feier. So ändern sich die Zeiten.

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Und noch ein typisches Foto aus der „Zeit“-Redaktion, dass wohl während der Produktion geschossen wurde. Autor Kruse meint dazu, die Flure seien so unendlich lang, man könne fast die Erdkrümmung sehen… (dh)

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Fotos: Zeit