Die neue Clap-Ausgabe mit der Nummer 60 sollte in dieser Woche alle wesentlichen Schreibtische der Kommunikationsbranche erreicht haben. Vollgepackt mit Geschichten über Florian Boitin, Barbara Schöneberger und Jane Fonda. Wer wider Erwarten keines vorfindet und somit in unserer Titelgeschichte beispielsweise nicht erfährt, warum Kabel1-Geschäftsführer Marc Rasmus (Miterfinder von Big Brother“ und „Frauentausch“) von „Tach zu Tach“ lebt,  schreibt uns einfach eine Mail an clap@clap-club.de mit der Betreffzeile „Clap – will ich haben“.

Außerdem gibt es noch eine Neuigkeit: die Clap-Redaktion ist umgezogen.

Wer uns besuchen will, findet uns ab sofort bei der Münchner Agentur D.Tales in der Münchner Elsenheimer Straße 57. „Wir verstehen Content“ heißt es dort. Wir auch. Sollte also passen.

Für viel Aufmerksamkeit im aktuellen Heft sorgte übrigens ein Interview mit Ex-Sky-Manager Jörg Allgäuer, mit dem wir über seine Begegnungen mit Donald Trump gesprochen haben. Trump sei ein 80er Jahre Typ, so Allgäuer, und nur wer die 80er Jahre versteht, begreift auch Donald Trump. Einen Ausschnitt aus dem Interview veröffentlichen wir heute aufgrund der Nachfrage.

„Trump liebt CNN und die New York Times“

Clap: Joschka Fischer hat in der Süddeutschen Zeitung geschrieben: „Der neue Präsident übertrifft alle negativen Erwartungen“. Würden Sie das unterschreiben?

Allgäuer: Bis jetzt erfüllt der neue Präsident doch die Erwartungen, denn er tut genau das, was er im Wahlkampf versprochen hat. Seien wir mal lieber froh, dass Trump sie bislang noch nicht übertroffen hat.

Clap: Sie haben Donald Trump einige Male getroffen. Was war das Treffen, welches am stärksten hängen geblieben ist?

Allgäuer: Das erste Mal bin ich ihm auf einer privaten Cocktailparty Ende der 80er Jahre begegnet und wir haben uns ein bisschen unterhalten. Schon damals war er eine extrem markante Figur in New York. Und bei allem, was sich seitdem auf der Welt verändert hat: Der Mann ist sich treu geblieben und irgendwie immer noch der gleiche Typ wie damals. Donald Trump muss man ein Stück weit sehen, wie man die 80er Jahre sieht – und zwar aus dem heutigen Blickwinkel. Seine Sprüche, seine Weltanschauung, seine Art sich zu artikulieren und im wahrsten Sinne des Wortes selbst darzustellen, das passt ganz genau in diese Ära. Wenn wir uns Trump heute ansehen, wirkt er doch wie aus der Zeit gefallen. Seine Jokes und Auftritte muten fast an wie eine alte Harald-Juhnke-Sendung, da fängt man schnell an, sich fremdzuschämen.

Clap: Hatten Sie eine Begegnung, die das untermauert?

Allgäuer: In den 2000er Jahren wurde ich Trump bei einer Veranstaltung im Metropolitan Museum nochmals vorgestellt. Seine Sendung „The Apprentice“ lief schon, damit wurde er auf einen Schlag zu einer nationalen Größe. Die Show war damals ein nicht in diesem Ausmaß erwarteter Erfolg und hatte hohe Einschaltquoten, mit denen Trump ja noch heute kokettiert. Und seine schnoddrige Art mit dem inzwischen legendären Satz „You’re fired!“ kam bei den Leuten unglaublich gut an. Um hier den Kreis zu schließen: Er hat sich nicht geändert, sondern die Leute haben das gewählt, was sie im TV gesehen haben. Nämlich in ihren Augen einen unangepassten Macher, der handelt und immer für einen deftigen Spruch zu haben ist.

Clap: Wie hat er Sie begrüßt? War da eine Geste oder ein Spruch, an den Sie sich erinnern können?

Allgäuer: Da war nichts besonderes, jedenfalls nicht wie bei einem Händedruck von Kalle Schwensen, den man drei Tage lang nicht vergisst. Trump war damals so etwas wie das Faktotum der Stadt New York. Deshalb haben sich große Veranstaltungen gerne mit ihm geschmückt und man hat schon geschaut, ob er kommt oder nicht. Eigentlich würde diese Rolle ja viel eher jemandem wie Woody Allen zukommen, finde ich. Wenn man an New York denkt, dann hat man viel eher den vor Augen. Das Problem mit Woody Allen ist aber, dass er furchtbar kauzig ist. Montagabends hat er zum Beispiel jahrelang in Michael’s Pub an der East Side Klarinette mit seiner Band gespielt. Deshalb ist er auch nie zur – ebenfalls immer an einem Montagabend stattfindenden – Oscar-Verleihung gefahren, weil er da eben keine Zeit hatte. Woody Allen geht auch nicht so gerne auf große Veranstaltungen, aber Donald Trump hat sich schon immer gerne öffentlich dargestellt. Das war ihm ganz wichtig und, wie wir jetzt alle auf der Welt erleben müssen, ist das bis heute unverändert so geblieben.

Clap: Nehmen Sie die Stadt in der Ära Trump anders wahr?

Allgäuer: Nichts hat New York so stark verändert wie 9/11. Donald Trump verändert die Stadt insoweit, als es jetzt eben noch mehr Sicherheitsbeschränkungen an der 5th Avenue gibt, wo sein Trump Tower steht. Aber das ist nichts gegen eine UN-Generalversammlung im September, erst dann herrscht wirklich der Ausnahmezustand. Von so einem wie Trump lassen sich die New Yorker nicht ihre Stadt umkrempeln, auch wenn er einer der ihren ist.

Clap: Fahren Sie jetzt seltener nach New York ?

Allgäuer: Ha, auf gar keinen Fall! Wenn ich mich als gebürtiger New Yorker um Donald Trump scheren würde, dann hätte ich schon die erste Lektion dieser Stadt nicht verstanden. Die New Yorker lachen und ärgern sich eher über ihn, als dass sie ihn fürchten. Auch wenn dieses Lachen momentan vielen ein bisschen im Hals stecken bleibt.

Clap: Was Trump über die Medien sagt, ist selten nett. Glauben sie als Medienmanager, dass sein Hass auf die Medien wieder abnehmen wird?

Allgäuer: Begehen wir hier keinen Fehler, Trump ist viel geschulter im Umgang mit Medien, als viele glauben. Er war in dem Mikrokosmos New York ein halbes Jahrhundert lang als Player unterwegs und kam quasi täglich in der „New York Post“ vor, also der Bild-Zeitung New Yorks. Er fand ständig öffentlich und in den Medien statt, in der Glamour-Presse, in der Boulevard-Presse, im Radio, im Fernsehen. Trump ist ein absoluter Medien-Profi, vielleicht sogar mehr als Obama.

Clap: Trump hat also Jahrzehnte Vorsprung gegenüber Obama?

Allgäuer: Er liebt die Medien, er könnte ohne Medien und Aufmerksamkeit gar nicht existieren. Was Trump macht, ist ein Spiel spielen, ein durchaus gefährliches Spiel. Sein Auftreten besteht doch, wenn man ihn so beobachtet, sogar aus einer einzigen Dauerschleife an Liebeserklärungen gegenüber der Presse und den Medien. Nur ist es hier eben zumeist Hassliebe. Ich glaube, Trump liebt am Ende sogar die New York Times und CNN, denn er kann gar nicht anders, als sie zu konsumieren und ihnen mit seinen Repliken dann eine Bühne zu bieten. Er braucht die Medien wie Sauerstoff.

Clap: Kann er das Spiel gewinnen?

Allgäuer: Nein, natürlich nicht. 63 Millionen Menschen haben ihn gewählt, aber über 150 Millionen Wahlberechtigte eben nicht. Also hat er viele Millionen Fans, aber die allermeisten Leute wollen sicher nicht Breitbart News lesen müssen oder angepasste Medien haben. Es ist abwegig zu glauben, dass er die USA auf den gleichen Weg bringen könnte wie die Türkei, das funktioniert in diesem Land einfach nicht. Journalist ist in den USA gerade zu einem Beruf mit Zukunft geworden – und nebenbei kann man sich dabei auch noch um die Demokratie verdient machen.

Foto: Daniel Häuser, Alexander von Spreti

Illustration: Bulo