Offener Brief an den Hauptgeschäftsführer Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e.V.:

Lieber Stephan Scherzer!

Wie zu lesen ist, wollen Sie sich mit der Suche nach einem neuen VDZ-Präsidenten Zeit lassen. Recht so! Nehmen Sie sich ein inspirierendes Glaserl Wein und ein paar Minuten, und lesen Sie die folgenden Zeilen genau durch. Ich meine sie nämlich verdammt ernst. Echt jetzt.

Ich mach das! Ja, ich mach das! Ich bin willens und bereit, für meinen Verband (die Beitragszahlernummer entnehmen Sie bitte Ihren Unterlagen) in die vorderste Reihe zu springen und ihn mit vollem Einsatz zu vertreten. Vergessen Sie einfach mal, dass ich mich mit „Gary Glotz“ seit neuestem auf das Produzieren von Bewegtbildern spezialisiert habe.

Denn: Ich liebe Gedrucktes – nach wie vor. Ich wage sogar zu behaupten, mehr als manche Eminenzen, die gerade als mögliche Nachfolger für Herrn Holthoff-Pförtner hinter vorgehaltenen Händen herumgeistern. Mal ehrlich: Wenn jene mit dem Verkloppen von gehäkelter Babybekleidung oder dem Verleihen von getragenen Turnschuhen mehr Kohle machen könnten, würden Sie Papier höchstens noch zum Schreiben ihrer knappen Abschiedsnachrichten verwenden. Wenn überhaupt.

Überlegen Sie mal, wie viel Spaß (und letztlich auch Geld) wir alle in der Zeitschriftenbranche haben könnten, wenn die Dinge wieder mit Liebe, Lust und journalistischen Visionen angegangen würden. Oder wollen Sie mir weismachen, dass Sie eigentlich ganz zufrieden mit all den Me-Too-Produkten sind, die derzeit so auf den Markt geschleudert werden? Mit dem grassierenden Journalismus-Müll im Pocketformat. Ja, nee, is klar: So ein Fidget-Spinner-Magazin hat natürlich ebenso seine Qualitäten wie das dritte Thermomix-Blatt. Welche, das müssen Sie mir bei Gelegenheit aber bitte noch genauer erklären.

Lassen Sie uns also gemeinsam ein Zeichen setzen für den Mut, wieder Macher an die Flagschiff- oder Beiboot-Ruder zu holen, die nicht getrieben sind von der Angst um ihren Posten, sondern von der unverhandelbaren Leidenschaft, packende Geschichten zu erzählen, niederzuschreiben und zu visualisieren. Lassen Sie uns junge, kleine Verlage motivieren, den Glauben an das geklebte oder rückengestochene Medium nicht zu verlieren. Helfen wir ihnen, in überraschenden Kooperationen mit den Großen mindestens in einer der zahlreichen Nischen erfolgreich zu sein. Ich bin mir sicher, die Burdas, Bauers und alle anderen Alteingesessenen könnten davon ebenso profitieren wie die diversen Neumitglieder, auf die Sie als Verband nicht zu Unrecht stolz sind.

Dabei leugne ich nicht einen gewissen egoistischen Ansatz meinerseits. Ich habe es tatsächlich satt, wenn ich als mitunter zu spät Kommender (Verzeihung, manchmal muss ich eben auch arbeiten!) von der letzten Reihe aus überwiegend auf ergraute Herrenhinterköpfe starren muss. Ich wünsche mir dort auch jüngere Typen. Und noch viel wichtiger: Typinnen! Wenn ich einen gepflegten Herrenabend verbringen will, geh ich nämlich lieber Kegeln.

Kommense, Herr Scherzer! Gemeinsam können wir das schaffen. Sie sind doch Rock ’n‘ Roller, oder? Wenn Frau Merkel es schafft, dieses Jahr in ihre vierte Amtszeit zu stolpern, bekommen wir Bulo doch locker in seine erste gehoben. Unter uns: Dafür würd ich mir sogar den Bart rasieren! Auch über einen Job als beispielsweise „Senior Vice President Future, Fun and Figures“ ließe ich mit mir reden. Darunter – das werden Sie verstehen – kann ich reputationstechnisch leider nicht antreten.

Mit den erwartungsfrohesten Grüßen verbleibt Ihr bisher treues Mitglied aus dem Bayerischen Landesverband …

Peter „Bulo“ Böhling
(Herausgeber Clap)

Update: Ich werde Sie in den kommenden Wochen über mein Wahlprogramm und das Wahlkampfteam informieren, das ich gerade zusammenstelle.

Update 2: Hallo, Herr Scherzer! und hier isses: Das angekündigte Wahlprogramm und Wahlkampfteam!