Im gerade neu aufgelegten „Leitfaden zur Pressedistribution“ der Deutschen Post verbirgt sich eine kleine Revolution: auf der Seite 8 gibt es dort nämlich neue Leitlinien für eine richtige Platzierung der Adress-Etiketten für die Zeitschriftenabonnenten. Rund 1,4 Milliarden Pressepostsendungen gibt es jährlich und die Post will, dass diese zunehmend automatisiert ihre Empfänger erreichen. Es geht also um bessere Maschinenlesbarkeit. 

Kern der neuen Maßnahmen ist eine sicherlich unpopuläre Maßnahme für Verleger. Künftig soll es eine sogenannte „Ruhezone“ rund um das Etikett geben. Um den Aufkleber soll es also keinen Text mehr geben. Die Post will 20 Millimeter Sperrzone, also zwei Zentimeter!

Doch wie soll das gehen? Magazinmacher haben sich in der Vergangenheit bei der Gestaltung des Covers durch die Bank hinsichtlich Etikett fast keine Gedanken gemacht. Adressetiketten? Andere Abteilung. Doch nun müssen sie sich wohl oder übel darüber den Kopf zerbrechen. Und Auseinandersetzungen scheinen da vorprogrammiert. Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder es gibt ein spezielles Cover für die Abo-Auflage oder die Zeitschriftenmacher lassen tatsächlich ein Teil des Covers für das Etikett ohne Text frei. Wahrscheinlich kommt für die meisten nur letzteres infrage, die erste Maßnahme würde nur zusätzliche Kosten verursachen.

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Hier ein Ausschnitt aus den neuen Leitlinien, die der Clap-Redaktion vorliegen. Die Verlage sind darüber also schon informiert. Derzeit gibt es aber noch eine Übergangsphase. Wie lange diese noch anhält, darüber gibt es seitens der Post keine Auskunft. Doch danach sollen die Etiketten in der beschriebenen Form aufgeklebt werden. Allerdings sollen Strafen fällig werden, wenn die die neue Linie nicht eingehalten wird.

Das Ganze hätte auch eine positive Seite. Endlich könnten Abonnenten alle Texte des Covers lesen und die Titelgeschichte damit überhaupt verstehen. Das hatte zuletzt schon das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ versucht und klebte, wie in unserem Bild auf dem rechten Cover gut zu sehen an die richtige Stelle. Allerdings ist die „Ruhezone“ noch immer etwas zu knapp geraten. Das linke Cover zeigt noch die alte Methode der Hamburger, bei dem von der Titelgeschichte nicht mehr viel zu lesen war.

Fotos+Text: Daniel Häuser