Zu Helmut Markwort 80. Geburtstag kamen sie alle: die Schönen und Wichtigen, die ehemals Schönen und Wichtigen und die, die sich für schön und wichtig halten. Mathias Döpfner war da, Unternehmer Carsten Maschmeyer und auch Ex-G+J-Auslandsvorstand Axel Ganz. Das rührte Markwort fast zu Tränen, wie im Bild von gestern Abend zu sehen. „Bunte“-Herausgeberin Patricia Riekel, seine Lebenspartnerin, hatte den Postpalast an der Hackerbrücke angemietet, ein Rundbau mit 52 Metern Durchmesser und einer 20 Meter hohen Glaskuppel – eine der coolsten Locations in München. Drunter tut’s Markwort nicht. Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist er noch immer der Platzhirsch im Münchner Medien-Biz.

Als King Gong war er Chefredakteur der gleichnamigen Fernsehzeitschrift, er gründete „Radio Gong“ in München (und hält heute noch zahlreiche fette Rundfunkbeteiligungen u.a. an der „Antenne Bayern“ und „Radio FFH“). Er hat „Focus“ erfunden (und den Claim „Fakten, Fakten, Fakten“) und kürzlich erst den Rücktritt von Sigmar Gabriel. Neben Fakten kennt der Mann sich auch mit Enten aus. Irgendwie altersbedingt schon halb lame duck, aber gleichzeitig noch immer der amtierende Gute-Laune-Bär bei „Burda“, hat Markwort auch und gerade heute mehr Freunde, als seine wenigen Feinde – auch wenn diese das dynamischer gestylte Kopfhaar tragen. Markwort bleibt bei seinem gemütlichen Königspudel-Look, der insbesondere bei Frauen gut ankommt und den Kuschel-Wuschel-Instinkt auslöst. Patricia Riekel erzählte mir einmal, wie sie sich in Markwort verliebte. Eine Telefonzelle spielte da eine Rolle (in der Patricia stand) und ein Fenster (aus dem Helmuts Lockenkopf ragte). Bei diesem Anblick war es um Patricia geschehen. Seitdem sind die beiden ein Paar. Sie nennt ihn beharrlich Herr Markwort, was er zu Hause zu ihr sagt, ist unbekannt.

Klar ist aber, dass bei Herrn Markwort ein eher klassisches Rollenverständnis herrscht. Im Job ist er der ebenso joviale wie loyale Chef mit einer beständig positiven Energie, die manchem (chronisch Übellaunigen) richtig auf den Senkel gehen kann. Zu Hause dagegen ist er ganz er selbst. Aus informierten Kreisen hört man, dass er Hausarbeit ebenso wenig mag wie Überraschungen und eine Krise kriegt, wenn etwas nicht am gewohnten Platz ist. Gegen offenes Feuer hat er, so heißt es, eine regelrechte Aversion. Kerzen und Kamin bleiben deshalb aus. Wenn Frau Riekel flammende Romantik sucht, muss sie das ohne Herrn Markwort in ihrem Haus am Starnberger See tun. Obwohl Herr Markwort seit über 20 Jahren mit Frau Riekel lebt, ist er noch immer mit Frau Markwort verheiratet und pflegt Familienfeiern mit der Familie zu feiern. Auch das ein Zeichen dafür, dass ihm Kontinuität so viel bedeutet, wie es einem Konservativen ziemt. Als Frauenversteher qualifiziert er sich damit allerdings nicht. Ist in seinem Fall aber egal: Die Frauen verstehen ihn mehr als genug.

An seinem Geburtstag wird es zu Recht schöne Reden geben, in denen seine konzeptionelle Stärke, sein Weitblick, seine Chef-Qualitäten und sein freundlicher Charakter gelobt werden. Womöglich werden auch einige bedauern, dass er nicht mehr 50, 60 oder 70 ist und den Ball ein wenig flacher halten muss. Denn ohne Markwort läuft es schnell nicht mehr ganz rund. Die von ihm erfundene „Aktuelle“ fällt nur noch selten positiv auf. „Ein Herz für Tiere“ fällt in der Auflagenstatistik  und bei „Focus“ hat man manchmal das Gefühl, dass irgendjemand im Verlag versucht, das Blatt vorsätzlich zu ruinieren. Von den Spitzenauflagen unter Markwort und der seinerzeitigen Relevanz ist „Focus“ heute weiter entfernt denn je. Kein Wunder, wenn die Chefredakteure schneller verschlissen werden als die Breitreifen ihrer Dienstwagen und es nur noch eine Rumpf-Redaktion gibt. Aber hey: Markwort hat sich immer rechtzeitig vor dem Desaster verabschiedet. Und auch dafür muss man ihm gratulieren.

 

Text: Michael Kneissler Foto: BrauerPhotos / S.Brauer