Seit Oktober gibt es einen gemeinsamen Newsroom für ARD aktuell in Hamburg. In dem ultramodernen Neubau sollen künftig das Lineare und das Digitale enger zusammenrücken. Seitdem ist dort auch Helge Fuhst Herr im Haus, denn er ist seit ein paar Wochen Chefredakteur von ARD aktuell. Für das Clap-Titelporträt fotografierten wir ihn unter anderem an seiner neuen Wirkungsstätte. Außerdem im Heft: ein exklusives Interview mit Medienmann Georg Kofler. 

Bislang war Fuhst vor der Kamera eher seltener zu sehen. Manche kennen ihn vielleicht als Moderator des „Internationalen Frühschoppens“ auf Phoenix. Nächste Woche Donnerstag wird der Hannoveraner allerdings zum ersten Mal das ARD-Nachtmagazin moderieren. Weitere Sendungen mit ihm sind zwar hin und wieder geplant, aber grundsätzlich wird er sich wohl künftig aufs Management verlegen. Im Bunde mit der formellen Nummer eins, Marcus Bornheim, und Juliane Leopold fürs Digitale bildet Fuhst das Triumvirat in der zentralen Fernsehnachrichtenredaktion der ARD. Was Fuhst vorhat, erfahren unsere Leser im gedruckten Clap-Magazin. Das Heft ist bestellbar: einfach eine Mail an clap@clap-club.de schicken. 

Ein weiteres Highlight im Heft ist das Gespräch mit Georg Kofler, dem Chef der Social Chain Group. Wir trafen ihn bei den Medientagen auf der „Clap-Couch“. In unserem Magazin gibt es nun ein ergänztes und autorisiertes Interview mit Kofler, bei dem wir ihm die Stichworte vorgaben. Mit uns sprach er über seine Ärgernisse in der Hauptstadt und darüber, wie Startups besser gefördert werden sollten. Er würde deshalb den Begriff Sonder-AfA aufleben lassen, mit der bislang der Mietwohnungsbau gefördert worden ist.  Einige seiner Antworten veröffentlichen wir hier exklusiv.

Über die Höhle der Löwen

„Die Sendung schaue ich mir, wenn irgend möglich, dienstags immer an. Und ich bin jedes Mal richtig gespannt. Natürlich kenne ich den vollständigen Dreh. Aber es ist immer wieder überraschend, wie die Sendung dann von der Redaktion komponiert und verdichtet wird.“

Über Geschäftsideen

„Da bekomme ich pro Woche drei bis vier Stück angeboten. Einige schaue mir selbst an, aber meistens schicke ich den Pitch an einen meiner Mitarbeiter, weil ich sonst zeitlich total überfordert wäre. Wenn ich aber etwas dabei finde, das mich auf Anhieb begeistert, dann setzte ich mich mit dem Ideengeber direkt in Verbindung.“

Über Berlin

„Das ist mein Zweitwohnsitz, Hauptwohnsitz ist Rottach-Egern am Tegernsee. Als Südtiroler wäre ich niemals nach Berlin gegangen ohne ein alpines Back-up. Berlin ist jung, inspirierend, international, chaotisch. Was mich aber zunehmend stört ist der massive Retrosozialismus, der sich dort breit macht. Dieses links-grüne Weltbild, das mit moralisierendem Zeigefinger propagiert wird. Der traurige Höhepunkt ist für mich das Mietendeckel-Gesetz. Das finde ich als Unternehmer verstörend. Weil ich hier sehe, wie die marktwirtschaftliche Ordnung durch staatliche Intervention systematisch kaputt gemacht wird. Das ist nicht mehr soziale Marktwirtschaft, das ist sozialistische Planwirtschaft, und die ist auf der ganzen Welt krachend gescheitert. Deswegen mache ich mir Sorgen, wie sich Berlin als Stadt weiterentwickeln soll. Das kann nicht gut gehen, wenn man Investoren derartig irritiert.“

Über München

„Aus diesen Gründen werde ich mich tendenziell stärker nach München orientieren, weil man sich hier als leistungsorientierter Mensch einfach mehr unter Gleichgesinnten fühlt. Außerdem gibt es hier immer noch den besseren Flughafen.“

Über Start-Ups

„Wenn ich zum Beispiel sehe, wie brachial die Energiewende vorangetrieben wird, da sollte es auch möglich sein, dass Deutschland ähnlich entschlossen Unternehmertum fördert und Unternehmer ermutigt. Dazu gehören auch Anreize für Investoren, die Kapital unternehmerisch einsetzen. Eine gute Idee war die Sonder-AfA bei Immobilien kurz nach der Wende. Warum gibt es so etwas nicht für Start-Ups, als eine Art nationale Sonderwirtschaftszone für junge Unternehmen. Auf dieser Basis könnten zum Beispiel Fonds sehr viel Venture Capital einbringen. Das finde ich viel besser, als wenn ständig neue Fördertöpfe aufgemacht werden. Weil damit auch immer eine Riesenbürokratie verbunden ist. Ein steuerlicher Anreiz könnte viel schneller wirken. Außerdem muss es leichter sein, Firmen zu gründen. Deutschland legt sich mit seiner Monsterbürokratie lahm. Wir kommen nicht weiter, wenn erstmal zig Anträge für jeden Quatsch gestellt werden müssen.“

Über ProSiebenSat.1-Chef Max Conze

„Ich finde, er packt richtig an. Er ist er ein handfester, netter Bursche. Da gibt es nichts zu sagen. Ich verfolge immer auch das Wettbewerbsprogramm bei ProSieben, während die ‚Höhle der Löwen‘ kommt.“

Über den ProSieben-Streaming-Dienst Joyn

Das Logo ist toll, das habe ich dem Max Conze auch gesagt. Auch als Marke finde ich Joyn super. Die App habe ich auch auf meinem Smartphone, ebenso wie TVNow der RTL Mediengruppe.“

Über Sky Deutschland

„Ich verstehe nicht, dass die Bundesliga im Pay-TV immer noch nicht die Exklusivität hat wie in England. Das bremst die Entwicklung. Ich bin Pay-TV-Vollzahler, habe zwei Abos, eines am Tegernsee und eines in Berlin.“

 

 

Foto: Frank Siemers, Alexander von Spreti