Communication – Es ist alles schon gesagt, nur noch nicht von allen. Das Prinzip Social Media, der digitalen Flüstertüte, der sich jeder und sei er/sie auch noch so kognitiv untermöbliert bedienen kann, ist hoch im Kurs. Auf Facebook, Telegram und Twitter toben sich die QAnons, die von der „Merkel Diktatur“ Unterdrückten oder die, die einfach der Welt ihre Glückskekssprüche und Katzenfotos nicht vorenthalten wollen, gnadenlos aus. Meist in etwas, nun ja gewöhnungsbedürftiger Orthografie, aber egal. Frieden, Freiheit keine Diätkur
oder so ähnlich.
 
Da geht’s im Clubhouse schon etwas, wie soll ich schreiben, vornehmer zu. Und das scheint denen, die mit dem Mitteilungsdrang der Menschheit bereits Kasse gemacht haben einiges Wert zu sein. Von Milliardenbeträgen ist die Schreibe. Vier Milliarden, weiß zumindest Bloomberg zu berichten. Und warum soll Twitter ein potentieller Käufer sein? Warum nicht Zuckerberg oder was ist mit Linked In oder Google? Und muss es ausgerechnet kalifornisches Geld sein?
 
Der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein in der grenzenlosen Weite des Word Wide Web Kapitals. Ein Schelm natürlich auch, der überlegt, dass die ganze Verkaufsstory mit dem kolportierten Betrag nur dazu dient die Braut hübsch zu machen. Vielleicht spürt man ja, dass die Luft ein bisschen raus ist, aus dem Clubhouse? Vielleicht sind Podcasts durch ihre Nachhaltigkeit im Sinne von Nachhörbarkeit doch das zukunftsträchtigere Medium? Alles Spekulationen. Zugegeben.
 
Und sollte der Hype tatsächlich in absehbarer Zeit enden, was machen dann Clubhouse Dauergäste wie Waldemar Hartmann oder Shahak Shapira mit der unfreiwilligen neugewonnenen Freizeit? Wo empört sich Thomas Gottschalk? Wie erfahren wir, was Bodo Ramelow noch gerne außer Candy Crush spielt? Und wo kann man sonst noch mit MC Hammer quatschen? Wenn man das überhaupt möchte.
 
Vermutlich turboisiert die Pandemie und damit einhergehende Lockdowns das Bedürfnis nach Kommunikation enorm. Und sei es, dass man nur mit ein paar Kacheln spricht. Wie in einem Teams- oder Zoom Meeting, wenn die Kameras ​konsequent ausgeschaltet bleiben. Egal. Es macht die Menschheit nicht besser oder schlechter. Nutzts nix, schadts nix. Und manchen scheint dieses „Egal“ sehr viel Geld Wert zu sein. Und das effektivste Produktionsmittel scheint immer noch der Mensch und das Menscheln zu sein. Und wenn das Gezwitscher im Netz so viel Reibach einbringt, so be it.
 
Übrigens, ich gründe jetzt „Almhütte“, oder noch besser gleich „Stammtisch“. Da wird’s abgehen und ich werde stinkreich damit.
 
Andreas Weinek war jahrelang in den obersten TV-Etagen zu Hause. Unter anderem bei A&E und Servus TV.  Für Clap wird er ab sofort regelmäßig das Geschehen in der Kommunikationsbranche kommentieren.
 
Foto: privat