Trotz schwachem Werbemarkt konnte Bertelsmann zum Ende des dritten Quartals heute einen Rekordumsatz vermelden. 14,4 Milliarden Euro – der höchste Wert in der Geschichte des Konzerns. Wie die Umsätze innerhalb des Bereichs Zeitschriften waren wurde in der Pressemitteilung allerdings nicht konkretisiert. Das wäre deshalb interessant gewesen, weil somit Rückschlüsse dahingehend gezogen werden könnten, wie dringlich – oder auch nicht – der offensichtlich geplante Verkauf einiger Printprodukte ist.

Aber welche Verlage kämen denn überhaupt für die Übernahme von einigen Gruner + Jahr-Titeln infrage? Nach Clap-Infos rückt in dieser Angelegenheit die Mediengruppe Klambt mit Hauptsitz in Speyer in den Vordergrund (siehe Foto). Angeblich zeigen die Magazinmacher, die auch vielseitig in Hamburg operieren, Interesse beim Marktgeschehen am Baumwall. Ins Portfolio passen würde jedenfalls insbesondere der ein oder andere Frauentitel.

Völlig abwegig ist dieses Gerücht, dass bereits vom Handelsblatt publiziert worden war, natürlich nicht. So gab es in der jüngeren und auch länger zurückliegenden Vergangenheit immer wieder unternehmerische Schnittmengen, Kooperationen, Käufe und Verkäufe zwischen Klambt und Gruner + Jahr.

Dazu nur einige Beispiele:

– Die Mediengruppe Klambt übernahm zum 1. Januar 2013 die kompletten Anteile des IN Verlags, in dem unter anderem die Zeitschrift „In – Das Star & Style Magazin“ zuvor im Joint Venture mit Gruner + Jahr erschien.

– Klambt übernahm 2017 die zuvor bei Gruner + Jahr liegenden 50,1 Prozent der Anteile an der deutschen Ausgabe der Frauenzeitschrift „Grazia“. Davor erschien „Grazia“ in einem Joint Venture zwischen G+J und Klambt.

– Im Jahr 2021 löste sich Klambt bei der Frauenzeitschrift „Jolie“ von der G+J EMS-Vermarktung. Seither wird der einstmals von Medweth Media erworbene Titel von Klambt Media Sales vermarktet.

Offen ist natürlich auch, in welcher Form weiter operiert werden würde, falls die Medienmanager aus Speyer sich tatsächlich mit RTL Deutschland einig werden würden. Klambt beauftragte ja bereits im Jahr 2020 im Rahmen einer strategischen Zusammenarbeit beispielsweise den Burda-Vermarkter BCN mit der Vermarktung seines Zeitschriftenportfolios. Also könnten die neu erworbenen Titel dann theoretisch von Burda vermarktet werden. Eine solche Konstellation hat sich unter den Großverlagen bisher noch nicht ergeben. Aber vieles muss im Printbereich in diesen Zeiten ja völlig neu gedacht werden. (dh)

 

Foto: Wikipedia

Last Updated on 4. November 2022 by Daniel Häuser